DMP Modding Community

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Wir sind eine unabhängige und vorwiegend deutschsprachige Internetseite für Modding in Games. Seit 2005 hat sich das Projekt Designmodproject dem Modden bzw. dem Erstellen von Mods verschrieben (Mod; Abk. für engl. modification oder deutsch Modifikation). Dabei stand immer die historische Erweiterung von Spielinhalten des strategie- und militärhistorischen Genres der PC-Spiele im Vordergrund.

Aus dem DMP Hobbyforum hat sich eine innovative Community entwickelt, welche ergänzende Inhalte zu den Spielen und dessen Hintergründe einbringt. So existieren heute neben einem vielfältigen Downloadbereich, einer aktiven Forengemeinde und der Informationsplattform zu verschiedenen Spielen, auch eine Anlaufstelle für interessierte Modder, Spieler und Spieleentwickler.

Seit 2015 arbeitet das Design Mod Project mit Entwicklerstudios zusammen und dient als Sprachrohr für die Community an die Hersteller von PC Spielen. Wir stehen für den aktuellen Trend zurück zu den Wurzeln von Spielen zu gehen und wollen diesen Weg mit den Spielern zusammen bestreiten. Wir bieten eine Plattform für Modding und vor allem für das Teilen von Spielerlebnissen.

 

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War Ace Campaign  Patch 5.2

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Dieser Patch korrigiert diverse Fehler aus Version 5.0 oder 5.01 und korrigiert die Dateistruktur vieler Einheiten, welche möglicherweise unregelmäßige CTDs beim Spielen oder Laden verursachen.
DAW - Der andere Weg 19-01

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Folgende Änderungen bzw. Zusätze zur bisherigen Version (DAW 18-02) sind enthalten: Darstellung von Meeresfeldern Die Meerestiles haben (auch für die ersten 3 Kampagnen) ein neues Grafikmuste
Amulet Mod Version 3.0

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Der Amulet Mod 3.0 ist für das PC-Spiel Panzer Corps Wehrmacht. Es ist der zur Zeit tiefgreifendste und umfangreichste Mod für deutsche Einheiten. Hier kurz die Merkmale: 77 neue Einheiten; 50
Modern Conflicts 1.1

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Endlich ist Version 1.1 live. Der erste Teil der russischen Kampagne ist verfügbar, außerdem sind viele Balance-, grafische und andere Verbesserungen implementiert worden. Da hat Akkula wieder gan
Total Realism Project

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TRP 1.04 ist eine Zusammenfassung der vielen kleineren Ideen, die wir zu unserer Mod hatten. Wir veröffentlichen sie nun auf Basis der neuen HoI 2 Darkest Hour-Version 1.05.
DAW - Der andere Weg 18-02

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Folgende Änderungen bzw. Zusätze zur bisherigen Version (DAW 17-09) sind enthalten: Darstellung vereister Seen Die Landschaftstiles für Seen in der Winterdarstellung wurde (auch für die beid
Battlefield: Europe 1.9

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Changes in v1.9
Pazifik Korps Teil 4 Part 3

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Im 3. Teil der US-Kampagne "Nach den schwarzen Tränen der Arizona", geht es als erstes um die Befreiung der Philippinen. Hierbei werden Sie von einem lokalen Helden tatkräftig unterstützt. Die aus
War Ace Campaign 5.0

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Eine erhoffte Fortzetzung des War Ace Campaign Großmod für das Spiel Silent Hunter 3 wurde von HanSolo nach mehr als 2 Jahren intensiver Entwicklungszeit vollendet.
DAW - Der andere Weg 17-09

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Folgende Änderungen bzw. Zusätze zur Version DAW 17-04 sind enthalten: Englische Texte DAW Kompendium + Credits, Install-Datei, sowie alle Briefingsdateien und Texte innerhalb der Kampagnen sin
Panzer War in Europe Mod

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Ein Mod des Users IronCross für das Spiel Panzer War in Europe. Es wurden vorhandene Grafiken berichtigt und einige Grafiken hinzugefügt. Es wurde noch weitere Änderungen vorgenommen. Die detaill
Italienische Kampagne 2 V1.91 Part 1

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Kampagne, kritische Fehler in Griechenland-1 Szenario berichtigt    

 

Das Thema

Infrarot
Meilenstein der Kriegstechnik

 

Eine wohl unbekanntere "Waffenerweiterung" im 2 Weltkrieg waren die Infrarot Geräte der Wehrmacht, welche als neue Wunderwaffe im Kampf gegen die Alliierten genutzt werden sollte, um somit noch die scheinbar unausweichliche Niederlage zu vereiteln.



Diese Infrarot Geräte waren keineswegs sinnloser Schrott. Die Wehrmacht erzielte mit diesen Geräten in den letzten Kriegsmonaten beeindruckende Ergebnisse, dazu später mehr. Hintergrund der Entwicklung derartiger Waffensystemen war die Übermacht der Alliierten in der Luft, was sich ab 1943 besonders deutlich zeigte. Man mußte einen Weg finden, den Gegner anzugreifen, ohne dabei von den allgegenwärtigen alliierten Bombern angegriffen zu werden. So kam die Idee auf, Panzerkräfte sowie Infanteriekräfte auch in der Nacht operieren zu lassen.... aber wie sollte das gehen?

Technik

Technische Erläuterung und Funktion des Infrarotscheinwerfers

 

Das Prinzip des Infrarotgerätes war denkbar einfach. Der Infrarotscheinwerfer strahlte ein Infrarotlicht aus, welches vom Ziel reflektiert wurde. Diese Strahlen wurden dann in einem Infrarotsensor aufgefangen und über einen Verstärker zu einer sogenannte "Braunschen Röhre" geleitet,welche die aufgefangenen Strahlen dann in ein sichtbares Bild umwandelte. Die "Braunsche Röhre" findet übrigens in Monitoren und Fernsehern noch Verwendung. Diese Geräte werden aber zusehends von neueren Flachbildschirmen abgelöst.

 

Entwicklung

Entwicklung der Infrarotgeräte



Die Entwicklung solcher Infrarotgeräte begann bereits im Jahre 1936 (!) bei der AEG. Leider hatte sich die Firma auf diesem Gebiet aber nicht weiter entwickelt.
Im Jahr 1942 wurde dann erstmals auf den Panzerkampfwagen des Typs 3 und 4 sogenannte "Weißlichtscheinwerfer" eingesetzt. Erste Versuche mit Infrarotgeräten wurden an der Panzertruppenschule I in Fallingbostel durchgeführt. Das Versuchsmodell war ein Marder II, der mit einem 30cm Infrarotscheinwerfer ausgerüstet wurde.

1943 forderte dann der Generalinspekteur, Generaloberst Heinz Guderian, die Entwicklung eines voll einsatzfähigen "Nachtpanzers", der sowohl robust und schlagkräftig, als auch sehr manövrierfähig
war. Hierfür wurde der Panzer "Panther" vorgesehen. Auf dem Turm des Panzers wurde außerhalb der Kommandokuppel ein 360° schwenkbarer 30cm Infrarotscheinwerfer mit einer Bild-Wandleranlage („Biwa") montiert. Die neue Technologie hatte noch einige Nachteile. So hatte der Kommandant der als einziger das Nachtsichtgerät zur Verfügung. Er mußte daher die Richtschützen und seinen Fahrer einweisen, da diese praktisch blind waren. Der weitaus größere Nachteil war jedoch die geringe Reichweite des Gerätes (600m). Er verlor dabei seinen sonst wichtigen Reichweitenvorteil ( z.B: Angriff auf einen T-34 Frontal auf 800m und Seitlich sogar auf 2800m).
Aber auch dafür versuchte man eine Lösung zu finden. So kam es zur Entwicklung eines Beobachtungsfahrzeuges "Uhu", dessen Aufgabe es war, feindliche Ziele mit einem 60-cm-Flakscheinwerfer mit Kohlebogenlampe und Infrarotfilter aufzuspüren und diese dann an die Panzer weiter zu geben. Die Reichweite dieses Scheinwerfers betrug 1500m, wodurch die Reichweite des Panthers auf 700m erhöht werden konnte (Anmerkung: von 600m auf 700m erhöht, ist das richtig? Klingt nicht sonderlich beeindruckend...).
 

Einsatz

Einsatz von Infrarotwaffen



Die IR Panzergruppen bestanden meistens aus fünf Panthern, einem Beobachtungsfahrzeug "Uhu" sowie einem Schützenpanzerwagen für die begleitenden Panzergrenadiere. Dieser Schützenpanzer verfügte über zwei IR Geräte, eines für den Fahrer sowie ein separates Gerät für den Schützen am MG-42.
Derartige Panzerkompanien gab es erst ab 1944 unter der Bezeichnung "Sperber". Anfang 1945 sollten 5 dieser Kompanien eingesetzt werden. Auch wenn diese Taktik sich im Kampf bewährte, fehlte es vor allem an Treibstoff, um größere Nachtaktionen durchzuführen.
Die ersten "Nachtpanther" kahmen 1944 zur Truppe und sollten an der Ardennenoffensive teilnehmen. Zwar waren zur Zeit der Ardennenoffensive einige "Nachtpanther" vor Ort, doch eingesetzt wurden diese nicht. (Auf der Pak40 sowie auf Jagtpanthern wurden ebenfalls IR Geräte eingesetzt, jedoch gibt es dazu scheinbar keine weiteren Informationen, sodass es bei einer Erwähnung bleibt)

 

Einsatz an der Ostfront

 

Im Frühjahr 1944 wurden eine Gruppe von Nachtfahrzeugen wie oben beschrieben nach Ungarn verlegt, dort sollten sie an einer Offensive zur Befreiung von Budapest teilnehmen (Unternehmen Frühlingserwachen). Laut Berichten sollen diese äußerst erfolgreich operiert haben (Anmerkung: ein paar Details wären interessant, so könnte man den Wert dieser Einheiten besser einschätzen)

 

Nachtpanzer

Weitere Erfolge der Nachtpanzer

 

Im April 1945 vereinten sich zwei Sperber-Gruppen mit der neu aufgestellten Panzerdivision Clausewitz, welche zu diesem Zeitpunkt allerdings nur noch auf dem Papier bestand. Diese Einheit sollte sich von dem Gebiet Wolfsburg-Fallersleben zum Harz durchkämpfen. Am 21 April war es dann soweit. Eine Gruppe der Panzer (10) rollte über die Weser-Elbe-Kanal-Brücke, jedoch hatten die Amerikaner einige Paks in Stellung gebracht. Die Überraschung begann, als die Alliierten Leuchtkörper abfeuerten und das Feuer eröffneten. Kurz darauf waren die ersten beiden Panther getroffen. Daraufhin gingen die Anderen in Stellung. Mit der IR Ausrüstung konnten die PAKS schnell ausfindig gemacht und vernichtet werden. Als die Amerikaner mit Erschrecken bemerkten, dass sie scheinbar unterlegen waren, begannen sie sich zurück zu ziehen. Jetzt kamen die IR Geräte richtig zu Geltung. Es wurde ein Beobachtungsfahrzeug in Stellung gebracht und das Feuer begann. Wahrscheinlich wurden dabei noch einige LKWs und sonstige Unterstützungsfahrzeuge vernichtet (Anmerkung: gibt es dazu Details? Sonst lieber nicht spekulieren).

Im Raum Uelzen hatte die Division Clausewitz in einem Feuergefecht einen ganzen Zug der erst neu an die Front gekommenen britischen "Comet Panzer" vernichten können.

 

Prototyp einen Gewehrs der Wehrmacht mit Infarot

 

Der Nachtpanther in Berlin



Noch im März 1945 wurde eine Gruppe von Nachtpanthern (10 Stück) sowie ein Beobachtungsfahrzeug in Berlin unter den Namen Panzerdivision Müncheberg aufgestellt. Diese Einheit nahm am Endkampf um Berlin teil. Wie dieser Kampf verlief und was mit der Division geschah, ist nicht bekannt.
Berichten zu Folge wurde kurz vor Ende des Krieges eine neue Nachtpanther Version eingesetzt. Der Fahrer erhielt einen 30-cm-Suchscheinwerfer und einen Bildwandler am linken Winkelspiegel, der Richtschütze erhielt ebenfalls ein solches Gerät. Somit war die Besatzung nicht mehr "Blind". Ob und wo diese letzte Version des Nachtpanthers eingesetzt wurde ist nicht bekannt.

Infanterie

Einsatz der IR-Geräte in der Infanterie



Infrarotgeräte wurden nicht nur bei Panzerfahrzeugen eingesetzt, es gab auch ein Infrarot-Ziehlfernrohr. Für dieses Zielfernrohr wurde das STG-44 verwendet. Der Aufsatz hatte die Bezeichnung ZF 1229 und wurde auch "Vampir" genannt. Die Firma Leitz lieferte 310 Stück dieses Fernrohrs.

Zum Schluss

Fazit



Obwohl diese Infrarot Geräte recht erfolgreich eingesetzt wurden, hatten sie noch erhebliche Mängel. So war z. B. die Bildqualität alles andere als berauschend, was bei der Freund/Feind Erkennung Probleme bereiten konnte. Des Weiteren war das Gerät äußerst empfindlich, was bei Einsätzen in Regen oder Schnee zu Ausfällen führte. Zudem konnte die Besatzung bei Vollmond geblendet werden.

Quellen

Lexikon der Wehrmacht: http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Waf ... ewehre.htm (Letzter Zugriff 14.09.2010)
Nexusboard: http://www.nexusboard.net/sitemap/6365/ ... t-t233658/ (Letzter Zugriff 14.09.2010)
panther 1944: http://www.panther1944.de/Panther/IR.html (Letzter Zugriff 14.09.2010)

"Krieg in der Heimat. Das bittere Ende zwischen Weser und Elbe"
ISBN: 3980178900



Autor: Magnum

Das Thema

Japanische Infrarot-Waffenforschung

Armee-Forschungen

Lufrwaffe

Luftgestützte Systeme




Für die Armeeluftwaffe wurde am 4. luftfahrt-technischen Forschungsinstitut in Tachikawa mit Unterstützung der Kaiserlichen Universität Kyoto und verschiedenen Firmen bereits ab 1940 an einem flugzeuggestützten Infrarot-Detektor für Jagdbomber gearbeitet. Ziel war die Erkennung gegnerischer Schiffe und Flugzeuge bei Nacht oder schlechtem Wetter.

Nach einigen Versuchen wurde eine Konstantan-Eisen Thermopile (Sensor mit direkter Umwandlung der Infrarotstrahlung in elektrische Impulse) über einem Parabolspiegel von 30 cm Durchmesser als bestmöglicher Detektor angesehen. Das Signal wurde über einen Verstärker an einen Bildschirm weitergegeben, der eine Einteilung in Metern hatte. Das Gerät hatte einen Detektionswinkel von 1° horizontal und 13 – 20° vertikal bei einem Suchwinkel von 180°. Versuche, einen kleineren vertikalen Detektionswinkel zu erreichen, führten zu stärkeren Problemen mit Störimpulsen und wurden zunächst zurückgestellt. Als Material für die Abdeckung des Ausblicks des Detektors wurden Scheiben aus Fluorit, chloriertem Gummi oder Steinsalz getestet, wobei eine Scheibe aus Steinsalz die besten Ergebnisse brachte. Allerdings war das Material sehr empfindlich gegen äußere Einflüsse. Versuche mit verschiedenen Beschichtungen waren zunächst erfolglos. Ein weiteres Problem war die Rostanfälligkeit des dünnen Eisens der Thermopile. Der Versuch mit anderen Metallen und Metalllegierungen waren aber erfolglos, so dass zunächst das Eisen beibehalten werden musste. Mit diesem Gerät war bei klarer Sicht eine Zielerfassung von Schiffen ab 3000 t auf Entfernungen bis 10 km möglich. Eine Erkennung von Flugzeugen oder eine Funktionsfähigkeit bei schlechtem Wetter konnte nur eingeschränkt erreicht werden.

Der Einbau sollte entweder unter dem Motor mit Blick nach schräg unten oder im Flügel mit Blick nach vorn erfolgen. Kurz vor Erreichen der Serienreife wurde jedoch das Forschungsinstitut von amerikanischen Verbänden bombardiert, wobei alle Versuchsgeräte und viele Unterlagen vernichtet wurden. Die Forschung wurde nicht wieder aufgenommen.

Marine

Marine-Forschungen

 

a) Detektor:
Ab 1944 entwickelte auch die Marine am 2. Technischen Institut der Marine eigenständig einen Infrarot-Detektor für ihre Bomber. Ziel war die Erkennung gegnerischer Flugzeuge und Schiffe bei Nacht. Verwendet wurde hier eine Thermopile aus 36 in Serie geschalteten Tellurium-Konstantan-Bauelementen vor einem 18 cm durchmessenden Parabolspiegel mit aluminiumbeschichteter Oberfläche als Thermoelement. Das Thermoelement war in einer kugelförmigen Halterung untergebracht, deren Ausblick mit einer mit chloriertem Gummi geschützten Steinsalz-Scheibe abgedeckt war. Damit konnte ein horizontaler Bereich von 90° beiderseits der Flugrichtung und ein vertikalen Bereich von 40° bei einer Drehgeschwindigkeit von 30° pro Sekunde abgesucht werden. Die Ausgabe erfolgte nicht an einem Bildschirm, sondern an einer Skala. Mit diesem Gerät wurden bei Versuchen Reichweiten von 7 – 10 km je nach Wetter erreicht.


1945 wurde das Gerät als Typ 5 luftgestützter Wärmestrahlungsmesser intensiv getestet. Dabei wurde der Detektor im Bug des Bombers ausfahrbar eingebaut. Bei Start und Landung war der Suchkopf eingefahren und wurde dann im Flug ausgefahren. Der Drehmechanismus des Suchkopfs erwies sich aber gegenüber den einwirkenden Luftströmungen im Flug als zu schwach, so das ein besseres Gerät mit stärkerem Drehmotor entwickelt werden musste. Dies wurde bis Kriegsende aber nicht mehr einsatzbereit.


b)Luft-Boden-Flugbombe:
Im März 1944 begann die Marine drei unterschiedliche Flugbomben zur Schiffsbekämpfung mit jeweils dem gleichen Wärmesuchkopf auf Infrarotbasis zu entwickeln. Im Sommer 1944 wurden nach Windkanaltests zwei der Projekte fallengelassen und die vorhandenen Ressourcen auf die Entwicklung des dritten Modells konzentriert. Unter der Projektbezeichnung Ke-Go entstand eine selbstlenkende Waffe von knapp 4,75 m Länge mit einem Sprengkopf von 20 bis 30 kg. Die Bombe war zylindrisch mit dem Infrarot-Suchkopf vorn, dahinter war die Sprengladung plaziert, danach folgte die Steuerung und das Heck bildete eine kegelförmige Kappe mit einer Luftbremse. Der Durchmesser betrug 0,5 Meter.
In der Mitte der Bombe waren vier größere Leitwerke rechtwinklig zueinander angeordnet mit einer Spannweite von 2 Metern. Jeder Flügel besaß eine in beide Richtungen bewegliche Klappe, mit der die Richtungssteuerung erfolgte. Außerdem waren an den Flügelspitzen der oberen Leitwerke kleine Querruder angebracht. Am Heck waren vor dem Kegel vier weitere kleine Flügel mit 1,2 Metern Spannweite zur Stabilisierung mit Höhenruder-Klappen angebracht. Damit ähnelte die Waffe sehr einer modernen Anti-Schiffs-Rakete.

 

 

 

Als Thermoelement kam ein Bolometer (Sensor mit Umwandlung der Infrarotstrahlung zunächst in Wärme, die dann in elektrische Impulse umgewandelt wird) mit Spiegel zum Einsatz. Der Ausblick nach vorn wurde von einer Membran aus chloriertem Gummi bedeckt, dass auf einem Rahmen aus Klavierdraht befestigt wurde. Steinsalz kam nicht zum Einsatz, da die benötigte Stabilität eine zu dicke Scheibe erfordert hätte, durch die nicht mehr ausreichend Licht gefallen wäre. Der Spiegel war exzentrisch angeordnet und wurde durch einen kleinen Elektromotor gedreht. Damit wurde ein Suchkegel von 15 – 30° horizontal vor der Bombe abgesucht. Der Suchkopf konnte einen Menschen auf über 100 m Entfernung und ein Schiff von 1000 t bei guten Wetterverhältnissen auf 2000 m sicher erkennen.

 


Thermoelement mit Spiegel von hinten

 

Der Sprengkopf bestand aus TNT und wurde mit einem halbkugeligen Hohlraum vorn ausgegossen, um einen Hohlladungseffekt zu erzielen. Die Zündung erfolgte zum einen durch einen doppelt ausgelegten Aufschlagzünder am hinteren Ende der Sprengladung, der nach dem Abwurf durch kleine Propeller am Bug der Bombe scharfgemacht wurde. Diese drehten sich an einer Gewindestange und schlossen nach mehreren Umdrehungen einen Stromkreis, der die Schlagbolzen freigab. Dieser Zünder löste nur aus beim Auftreffen auf eine Schiffshülle oder Felsgestein.
Zum anderen gab es im Heck einen Zünder auf Basis eines Luftgeschwindigkeitsmessers. Beim Abwurf machte dieser aufgrund der höheren Fallgeschwindigkeit eine Verzögerungsladung scharf, die beim Aufprall auf die weichere Wasseroberfläche oder weichen Erdboden zündete und die Bombe unter der Wasserlinie bzw. im Boden detonieren ließ.

Die Steuerung bestand aus einem Gyroskop zur Lagesteuerung und einem Verstärker für das Thermoelement. Das Gyroskop musste dabei nicht komplett freibeweglich aufgehängt werden, da durch die Flügelanordnung bereits eine große Lagestabilität vorhanden war. Insbesondere im Endanflug traten aber wegen der hohen Fluggeschwindigkeit Trudelbewegungen auf, die vom Gyroskop unter Kontrolle gehalten wurden. Um die Störimpulse auf die empfindliche Zielvorrichtung zu verhindern wurden die Gyros durch Luftströmung angetrieben. Dafür waren im Bereich der Steuerung kleine Ein- und Ausströmöffnungen eingebaut.
Die Regelung war so ausgelegt, dass die Bombe immer auf einen Bereich mit starkem Infrarotstrahlungs-Ausstoß zuflog. Dabei wurden die Steuerungsklappen mit einem Hydrauliksystem betrieben, für das zwei kleine Drucktanks für Hydrauliköl eingebaut wurden. Zum Antrieb der Hydraulik waren kleine, abgeschirmte Elektromotoren eingebaut, die über eine gekapselte Batterie hinter den Steuerungselementen versorgt wurden.

Der Heckkegel war aus Stahl und mit vier rechtwinklig zueinander angeordneten, ausklappbaren, rechteckigen Stahlplatten mit Löchern als Luftbremsen versehen. Diese wurden beim Abwurf gelöst und klappten durch den Luftwiderstand automatsch aus.

 


Ke-Go Modell 6




In der Theorie sollte der Einsatz wie folgt ablaufen:
Vor dem Start wurde die Bombe an speziellen Aufhängungen im Bombenschacht der als Trägerflugzeug vorgesehenen Ki-67 aufgehängt. Dadurch ragte die Bombe wie ein Lufttorpedo aus dem Bombenschacht heraus. Die untern liegenden Flügel der Bombe wurden durch einen Federmechanismus in der Waagerechten gehalten, wodurch die für den Start nötige Bodenfreiheit erreicht wurde. Dann wurden die nötigen Leitungen und Abreißverbindungen zum Abwerfen angebracht.

10 Minuten vor dem vorgesehenen Abwurf wurde zunächst elektrisch die Servomotoren der Hydraulik hochgefahren, wodurch auch die Federn der Leitwerkshalterungen gelöst wurden und die unteren Flügel in Flugposition schwenkten. Danach wurde das Hydrauliksystem betriebsbereit gemacht und das Gyroskop gestartet, welches knapp 10 Minuten benötigte, um auf die für den Betrieb nötige Drehgeschwindigkeit von 6000 Umdrehungen pro Minute zu kommen. Als nächstes wurde der Verstärker angeschaltet, da auch dieser eine gewisse Anwärmzeit benötigte. Da die Steuerung für maximal 60 Sekunden Arbeit ausgelegt war, wurde zuletzt noch eine Zeitschaltung aktiviert, die dafür sorgte, dass die Steuerung erst bei etwa 1000 m Flughöhe zu arbeiten begann. Dazu musste der Bombenschütze mit vorhandenen Tabellen die Fallzeit von der Flughöhe bis etwa 1000 m berechnen.

Beim Abwurf öffnete sich automatisch die Luftbremse der Bombe, um durch den langsameren Fall eine bessere Steuerung zu ermöglichen. Nach Ablauf der eingestellten Zeitverzögerung wurde das Steuerungssystem freigegeben und vom Thermoelement auf das nächste Ziel mit höherer Infrarot-Abstrahlung im Flugweg gelenkt. Die Sprengladung detonierte entweder beim Aufschlag unter Freisetzung eines Hohlladungsstrahls oder unter der Wasseroberfläche, wo die entstehende Druckwelle Schaden anrichtete. Da die Bombe auf die wärmsten Bereiche des Schiffs steuerte, waren Einschläge in der Nähe der Schornsteine am wahrscheinlichsten mit der Folge von Schäden im Bereich der Maschinenräume.


Die Marine-Bomberschule in Hamamatsu übernahm ab Dezember 1944 die Praxistests und warf bis Juli 1945 über 60 Flugbomben mit Sprengladungsattrappen in verschiedenen Modifikationen auf schwimmende Flöße von 10 X 30 Metern mit Kohlefeuern ab. Dabei wurde eine maximale Flugstrecke von 1850 Metern einer ungesteuerten Bombe bei einer maximalen erreichbaren seitlichen Bewegung von 500 m erreicht.

Von den abgeworfenen Flugbomben trafen nur 6 das Ziel oder schlugen nahe daran ein. Bei den anderen Bomben wurden neben Fabrikationsfehlern auch Probleme mit dem Steuerungssystem und Ausfälle bei den Thermoelementen als Gründe für die Fehlwürfe ermittelt. Daher wurde im Juli mit dem Bau einer verbesserten, längeren Version mit breiteren Steuerflügeln und empfindlicheren Thermoelementen als Modell 9 begonnen. Erste Flugtests sollten im September 1945 erfolgen.

Bodensysteme

Boden- und seegestützte Systeme

 

a) Bodengestützter Entfernungsmesser
Die japanische Armee arbeitete ab September 1944 an seinem 7. Technischen Labor an stationären und mobilen Geräten zur Erkennung von Wärmequellen auf Infrarotbasis.

Dabei wurden Geräte mit Bolometern (Aufnahme von Infrarotstrahlung als Wärme, die in elektrische Impulse umgewandelt wird), Thermopilen (direkte Umwandlung von Infrarotstrahlung zu elektrischen Impulsen) und Parabolspiegel in Verbindung mit einem Thermopilen (Verstärkung der Strahlung durch Bündelung) getestet. Bei allen Versuchen gab es Probleme, die Wärmestrahlung des Zieles (zwei gleiche Blechkanister mit kaltem und heißem Wasser) von der Hintergrundstrahlung der Umgebung zu trennen.

Die Hintergrundstrahlung wechselte durch Außentemperatur und Tageszeit sehr stark, da die Empfänger sehr empfindlich waren. Bei Praxistests mit einem 3000 t Dampfschiff mit angefeuerten Kesseln wurden die besten Ergebnisse bei einer Zielentfernung von 4 km nach Mitternacht erzielt. Am Tage war die Umgebung, aber auch das Ziel durch Sonneneinstrahlung gleichmäßig stärker erwärmt, so dass sich eine in etwa gleiche Erkennungsrate wie in der frühen und späten Nacht ergab. Probleme gab es lediglich bei Sonnenaufgang und –untergang, insbesondere natürlich bei Messungen gegen die Sonne. Eine Zielerkennung war dann nahezu unmöglich.

Die Versuche ergaben, dass ein Bolometer eine höhere Empfindlichkeit hatte, wodurch das Wärmebild besser dargestellt wurde, aber auch die Störstrahlung stärker und länger einwirkte. Der Parabolspiegel erhöhte die Empfindlichkeit deutlich und wurde daher als Grundelement für die Detektoren mit beiden Thermoelement-Arten verwendet. Problematisch war die Umwandlung der Detektor-Impulse in eine lesbare Bildschirmdarstellung. Bei mehreren Versuchen wurden unterschiedliche Konfigurationen erprobt, die aber alle Probleme mit elektrischen und magnetischen Störimpulsen durch die nötige Stromversorgung hatten. Dies konnte schließlich durch Entkoppelungsmaßnahmen und hochwertige Bauelemente gelöst werden.

Nächstes Problem war die nötige Abschirmung der Thermoelemente gegen Temperatureinflüsse und Umgebungsstrahlung aus Bereichen außerhalb des Zielbereichs. Lösungen dieses Problems wurden bis Kriegsende nicht abschließend gefunden.


b) Bodengestützte Infrarot-Kommunikation

Bereits ab 1929 erforschte die Armee am 7. Technischen Labor Möglichkeiten zur infrarotgestützten Kommunikation auf dem Gefechtsfeld. Insbesondere sollte so eine zielgerichtete Anlandung eigener Truppen bei amphibischen Landungen oder Flussübergängen erreicht werden. Dazu sollte ein Sendegerät von den ersten anlandenden Truppen an Land aufgebaut werden. Der Infrarotstrahl sollte dann den mit Empfängern ausgestatteten Booten der nachfolgenden Landungswellen das Ziel angeben. Bis 1937 konnten alle theoretischen Probleme gelöst und ein entsprechendes Gerät als Typ 97 Modell 2 Photophon eingeführt werden. Eine Bestellung über 2000 Geräte erfolgte noch 1937.


Auch diese Geräte bestanden aus einer Lichtquelle und einem Empfänger. Als Leuchtmittel wurde eine Hochdruck-Quecksilberdampf-Lichtquelle vor einem Spiegel verwendet. Der dabei entstehende Infrarot-Lichtstrahl wurde durch eine Linse gebündelt und verstärkt. Durch den im Modell 2 verwendeten Spiegel konnte eine Reichweite von 4 km erreicht werden.

Der Empfänger bestand aus einer cäsiumbedampten Röhre, die das eingehende Signal in einen Lichtimpuls umwandelte. Sender und Empfänger waren hintereinander in einem Gerät untergebracht. Zum Ausrichten war über dem Gerät ein koaxiales Fernglas angebracht, mit dem ein sichtbarer Lichtstrahl vom Gegengerät gesucht wurde.

Nach Auslieferung der ersten Einheiten wurden diese in der Mandschurei intensiv getestet. Dabei erwiesen sie sich als unbrauchbar für einen Gefechtseinsatz. Hauptproblem waren die Leuchtmittel, die bereits nach 2-3 Stunden ausbrannten oder die Linsen unbrauchbar machten.

1939 wurde noch eine kleinere Version als Typ 97 Modell 3 mit einer Reichweite von 2 km testreif. Diese war als Kurzstrecken-Kommunkationsgerät für die Infanterie gedacht. Es traten jedoch wieder die gleichen Probleme mit dem Leuchtmittel auf. Daher wurden weitere Forschungen angeordnet, allerdings mit niedriger Priorität. 1941 wurden dann die Ergebnisse zusammengefasst. Vorgesehene Weitere Projekte fielen dann aber dem Beginn des Pazifik-Kriegs zum Opfer.


c) Infrarot-Beobachtungsgeräte

 


60 cm Infrarotscheinwerfer

 

Neben den Entfernungsmessgeräten arbeitete die Armee auch an Beobachtungsgeräten auf Infrarot-Basis .Dazu wurde neben dem Sichtgerät auch ein Scheinwerfer zur Beleuchtung entwickelt.

 

 

 

Als Lichtquellen für Infrarot-Scheinwerfer wurden Leuchtmittel mit Wolfram- und Kohlenstoff-Glühfäden getestet. Dabei erwiesen sich Kohlenstoff-Glühfäden mit Hüllen aus Selenfluorit als am langlebigsten und ergiebigsten. Die Umwandlung des durch eine Linse gebündelten sichtbaren Lichts in Infrarotlicht erfolgte wiederum durch einen Filter aus mehreren Lagen Silber, Cäsiumoxid und Cäsium. Der Empfänger bestand wieder aus einer Cäsium-bedampften Röhre, die das Infrarotlicht in sichtbare Lichtimpulse umwandelte. Diese wurden durch eine Linse verstärkt. Es gab Scheinwerfer mit 60 cm und 150 cm durchmessenden Linsen.

 

    Es gab mehrere experimentelle Sichtgeräte:

    -binokular mit 15 cm Brennweite
    -binokular mit 10 cm Brennweite
    -binokular mit 5 cm Brennweite
    -monokular mit austauschbaren Linsen
    -monokular mit 10 cm Brennweite

 


Infrarot-Binokular mit 15 cm Brennweite

 



Die besten Ergebnisse wurden mit einem binokularen Gerät mit 15 cm Brennweite erzielt. Bei idealen Wetterbedingungen konnte damit ein aufrecht stehender Mensch auf 800 m gesehen werden. Bei durchschnittlichem Wetter verringerte sich die Sichtentfernung auf 300 m. Damit war eine militärische Nutzung nur sehr eingeschränkt möglich, so dass eine Einführung bis Kriegsende nicht als sinnvoll erachtet wurde.

Marine II

Marine-Forschungen

 

a)bordgestützte Infrarot-Kommunikation

 

Typ 2 Infrarot-Signalgerät:

 

1942 konnte das 2. Marine-Technische Institut ein System zur für das menschliche Auge unsichtbaren Kommunikation zwischen Schiffen bei Nacht serienreif machen. Insgesamt 100 Kommunikationseinheiten wurden im Anschluss gefertigt und auf den noch vorhandenen großen Schiffen (schwerer Kreuzer aufwärts) sowie kleineren Kommandoschiffen der Marine eingebaut. Dabei wurde auf jeder Seite eine Einheit montiert.
Jede Einheit bestand aus einer Lichtquelle und einem Empfänger mit Ausgabegerät auf einer drehbaren Säule. Die Lichtquelle bestand aus einer 1000 W Wolframlampe hinter einer Sammellinse und einem Infrarotfilter. Der Filter bestand aus einer Glasscheibe, die mit Silber, Cäsiumoxid und Cäsium in mehreren Lagen beschichtet war und das sichtbare Licht in Infrarotlicht umwandelte. Die Lichtabgabe erfolgte moduliert, um den aufgrund des verwendeten Zeichensystems komplexen Signalcode zu ermöglichen. Vor der Lichtquelle war eine zweiteilige Klappe montiert, mit der wie bei normaler Lichtkommunikation durch auf- und zuklappen ein Signalcode durchgegeben werden konnte. Die Abgabe erfolgte mit einem Streuungswinkel von 6 °.

Der Empfänger bestand aus drei übereinander angeordneten Paaren von cäsiumbedampften Glaskörpern, die als infrarotempfindliche Röhren bei eingehenden Lichtimpulsen ein elektrisches Signal abgaben. Diese Röhren hatten jeweils einen wirksamen Empfangswinkel von 10°. Durch eine Anordnung in einem Winkel von jeweils 10° zur nächsten Zweiergruppe konnte ein wirksamer Eingangswinkel von 30° erreicht werden. Die paarweise Verwendung verstärkte den Eingangsimpuls und ermöglichte auch einen Betrieb bei Ausfall einer der Röhren. Die ausgehenden Impulse wurden an Kopfhörern als Töne ausgegeben.

Im Einsatz wurde zunächst ein konstantes Lichtsignal gesendet, worauf der Empfänger ausgerichtet werden musste. Dazu waren an der Säule zusätzlich mehrere Ferngläser montiert, auf die einen kleinen sichtbarer Lichtstrahl vom Sendegerät ausgerichtet werden mussten. Nach Ausrichtung wurde die Botschaft übertragen, wobei die Bedienmannschaft den Empfänger gegen die Bewegungen des Schiffes manuell auf den Sender gerichtet halten musste, wobei der Empfangswinkel von 30° eine geringe Abweichung ausgleichen konnte. Bei einer wirksamen Reichweite von bis zu 15 km bei durchschnittlichem Wetter und einigermaßen ruhiger See konnten so pro Minute 30 Zeichen fehlerfrei übertragen werden (75 bei normaler Kommunikation mit sichtbarem Licht).

 

Typ 3 Infrarot-Signalgerät:

 

Bis 1943 konnte das 2. Marine-Technische Institut den Vorgänger soweit verkleinern, dass auch der Einbau auf kleineren Einheiten möglich war. Etwa 100 Kommunikationseinheiten wurden gebaut und auf leichten Kreuzern und größeren Zerstörern eingebaut.
Die Lichtquelle bestand allerdings nur aus einer 30 W Wolframlampe hinter einer Linse und einer mit Polyvinyl-Alkohol bedampften Filterscheibe. Die Signalübermittlung erfolgte wiederum über ein Klappensystem. Für den Einsatz im Verband mit größeren Schiffen konnte die Lichtabgabe moduliert werden, die Kommunikation zwischen den kleineren Einheiten erfolgte unmoduliert mit einem einfacheren Signalcode.

Der Empfänger bestand aus einer einzelnen cäsiumbedampften Röhre, die bei Eingang eines Infrarot-Impulses einen über eine Linse vergrößerten sichtbaren Lichtimpuls abgab.

Sender und Empfänger konnten von der nur horizontal drehbaren Montierung abgenommen und manuell ausgerichtet werden, um Rollbewegungen ausgleichen zu können.
Die maximal wirksame Reichweite lag aber wegen der verwendeten Lichtquelle nur bei 5 km, was als unbefriedigend angesehen wurde. Daher wurden nur 60 Einheiten eingebaut. Die restlichen Einheiten wurden an Land verwendet.

 

Typ 5 Infrarot-Signalgerät:

 

 



Bei Kriegsende war eine vergrößerte Version des Typ 2 Infrarot-Signalgerät in Bau, das über eine stärkere Lichtquelle mit verbessertem Linsensystem verfügte. Damit sollte im Hinblick auf die bevorstehende Invasion der Heimatinseln ein Überland-Kommunikationssystem aufgebaut werden mit einer Einsatzreichweite von 30 km. Die Entwicklung war aber bis Kriegsende noch nicht abgeschlossen.

b) Freund-Feind-Erkennung
Ab 1943 arbeitete das 2. Marine-Technische Institut an einer Möglichkeit, eigene Flugzeuge und Schiffe mittels Infrarot-Lichtquellen als eigene zu identifizieren. Dazu wurde eine Infrarot-Lichtquelle mit einem drehenden Spiegel versehen, die einen Infrarot-Lichtimpuls wie ein Leuchtturm in alle Richtungen abstrahlte. Als Empfänger wurde ein Schmidt-System mit cäsiumbedampfter Linse verwendet. Dabei wird das Infrarot-Licht über die fokale Linse eingefangen und umgewandelt in sichtbares Licht. Ein sphärischer Spiegel reflektiert das Licht dann in einen Brennpunkt, in dem ein weiterer flacher Spiegel das Licht in den Einblick umleitet. Der Empfänger konnte von einem Mann getragen werden.
Die Lichtquelle sollte an den Flügelspitzen des Flugzeugs oder an den Mastspitzen eines Schiffes installiert werden. Diese konnten dann als eigene identifiziert werden. Vorgesehen war eine Reichweite von 5 km bei Flugzeugen und 10 km bei Schiffen. Bis Kriegsende konnte kein sicher funktionierendes System geschaffen werden.

c) Infrarotbeleuchtungs-Anzeige
Ab 1930 wurden an der Kaiserlichen Universität in Tokyo Möglichkeiten zur Erkennung von Infrarotlicht erforscht. 1942 wurden die Ergebnisse der Forschungen von der Marine übernommen mit dem Ziel, eine eventuelle Beleuchtung eigener Einheiten durch gegnerische Infrarot-Scheinwerfer ohne spezielle Empfangsgeräte zu erkennen. Zur Erkennung wurde die Fähigkeit von verschiedenen chemischem Elementen und deren Salze genutzt, durch Lichteinfall ein schwaches Eigenlicht zu erzeugen. Es wurden mehrere unterschiedliche Mischungen entwickelt, die entweder bei Einfall von Infrarotlicht sichtbares Licht ausstrahlen („Ausleuchtung“) oder zunächst sichtbares Licht ausstrahlten und beim Einfall von Infrarotlicht zu nicht sichtbarem Licht wechselten („Tilgung“).
Nach eingehenden Versuchen wurde eine Mischung aus Zinksulfid und Cadmiumsulfid für „Ausleuchtung“ und eine Mischung aus Zinn, Kupfer und Kobalt für „Tilgung“ als besonders geeignet erkannt. Diese Mischungen wurden mittels Trägersubstanzen (Paraffin, Celluloselack und Resin) auf Kathodenröhren aufgebracht. Diese wurde im Brennpunkt hinter einer Bündelungslinse angebracht. Das Ausgangssignal wurde an eine Braunsche Röhre weitergegeben, die entsprechend aufleuchtete oder sich verdunkelte. Bei Tests konnte mit dieser Vorrichtung eine Beleuchtung durch eine 32 W LKW-Lampe mit Infrarotfilter noch auf 4000 m Entfernung nachgewiesen werden.

1943 wurden einige der Versuchsgeräte nach Rabaul verschifft, um dort Einsatztests durchzuführen. Das Transportschiff wurde jedoch vor Erreichen des Ziels versenkt. Das Projekt wurde daraufhin eingestellt, zumal man aufgrund der Probleme bei der eigenen Entwicklungsarbeit nicht davon ausging, dass die US-Marine in nächster Zeit Infrarot-Sucher einsatzbereit machen könnte.

 


Das Thema

Elektromagnetische Waffenforschung der Wehrmacht


Einleitung

Einleitung



Mit dem Aufkommen der Elektrizität und dem Bekanntwerden der elektromagnetischen Effekte wurden auch Ideen für Waffen mit elektromagnetischer Beschleunigung als Antrieb der Geschosse entwickelt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden erste Patente angemeldet.
Diese frühen Waffen sahen die Verteilung mehrerer Ringmagnete um konventionelle Artillerierohre vor. Dabei sollten die Ringe nacheinander mit Strom versorgt werden und so das Geschoss konstant bis zur Mündung beschleunigen. Problematisch war dabei vor allem der relativ schwache Effekt des Elektromagnetismus. So waren sehr hohe Ströme notwendig, die stoßweise auf die Magnetspulen zu schicken waren. Diese Ströme herzustellen, zu steuern und zu kontrollieren überstiegen die Möglichkeiten der Zeit bei weitem, so dass zunächst nur theoretische Überlegungen möglich waren.
Heute sind diese Waffen unter der Railgun bekannt und heute eher ein Steckenpferd der amerikanischen Rüstungs- bzw. Waffenindustrie. Dennoch muss hier festgestellt werden, dass solche Entwürfe bereits im Zweiten Weltkrieg zur Debatte standen und die Rüstungsindustrie hinter der Wehrmacht sich mit dieser Thematik befasste!

Technik

Technik und Entwurf

 

Mitte der dreißiger Jahre wurden unter anderem in Deutschland weitere theoretische Überlegungen angestellt. Diese Führten im Mai 1939 zu einer Veröffentlichung, in der eine konventionelle mit einer elektromagnetischen Kanone gleichen Kalibers und gleicher Schussleistung verglichen wurden. Als Grundlage wurde ein Langstreckengeschütz im Kaliber 10 cm mit einer Kaliberlänge von 200 und damit einem Rohr von 20 m Länge sowie ein Geschoss von 20 kg Gewicht bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 1500 m/s zugrunde gelegt. Dabei wurde eine reine Beschleunigungszeit von 0,027 s mechanisch berechnet. Die elektromagnetische Beschleunigung erfolgte dabei durch eine kurze Spule von wenigen Windungen, die um das Rohr zu wickeln war.
Für die elektromagnetische Kanone wurde dabei durch das Fehlen der Weichmetall-Führungsringe am Geschoss ein Druck auf die Rohrwand von 1450 kg je Quadratzentimeter und bei der konventionellen Kanone von 1600 kg je Quadratzentimeter ermittelt. Somit wäre eine dünnerer Rohrwandung möglich.

 

Prinzip der elektromagnetischen Beschleunigung

 

Der elektromagnetische Antrieb kann zwei verschiedene physikalische Prinzipien benutzen:

 

1. Die Lorentzkraft
F=q(v x B),
welche auf eine Ladung q wirkt, die sich mit der Geschwindigkeit v in einem zeitlich konstanten Magnetfeld B bewegt. Auf diesem Prinzip beruht die „Schienen-Kanone“ (Railgun).

2. Die elektromagnetische Induktion, die aufgrund zeitlich schnell veränderlicher Magnetfelder zu großen Abstoßungskräften zwischen kurzzeitig von Spitzenströmen durchflossenen Leitern führt. Darauf basiert die Induktionsschleuder.


Auf der anderen Seite ergaben die Berechnungen, dass je Schuss eine Stromstärke von 600000 Ampere benötigt wurden, die eine Wärmeentwicklung von etwa 5 Megawatt je Schuss zur Folge hätte. Somit wäre eine zusätzliche Wärmeabfuhr durch Kaltluftbelüftung mit einem Durchfluss von 2,7 Kubikmetern je Sekunde nötig geworden.
Der nötige Querschnitt des Spulendrahtes wird mit 6000 Quadratmillimetern berechnet (zum Vergleich: im Haushalt werden 1,5 bis 25 Quadratmillimeter verwendet), für die Zuleitungen wäre sogar ein Querschnitt von 70000 Quadratmillimeter nötig gewesen. Dies entspräche Leitungsdurchmessern von 87,43 mm beziehungsweise 298,62 mm. Daraus ergibt sich wiederum, dass ein mobiler Aufbau des Geschützes mit getrennter Stromversorgung unmöglich gewesen wäre, da diese wegen der geringen Flexibilität der Leistungen sowie der an möglichen Verbindungsstellen auftretenden elektrischen Widerstände fest mit der Spule verbunden sein musste. Es wäre damit nur ein Eisenbahngeschütz in Frage gekommen.

Zusätzlich ergaben sich noch Probleme mit den elektrischen Feldern von Spule und Generator, die einen zerstörungsfreien Betrieb nur unter der Bedingung der Entkopplung der Felder sicher ermöglicht hätten. Diese Entkopplung wäre unter anderem nur mit Kondensatoren von 2,5 Farad Kapazität möglich gewesen, die es für den alltäglichen Gebrauch schlicht nicht gab.
Günstigstenfalls wären unter Berücksichtigung aller Probleme bis zu 2 Schuss je Minute für bis zu 10 Minuten möglich gewesen. Die danach trotz Kühlung auftretenden Temperaturen hätten ein Weiterschießen unmöglich gemacht, da die Spulen schlicht zerschmolzen wären. Insgesamt gesehen hätte der Aufwand für ein solches Geschütz jeden Nutzen bei weitem überwogen, so dass zu diesem Zeitpunkt ein elektromagnetisches Geschütz schlicht für nicht machbar erachtet wurde.
 

 

Die Firma Gesellschaft für Gerätebau GmbH, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits intensiv mit Grundlagenforschung und Bau von elektrischen Geräten für Einsätze im Hochspannungs- und Hochstrombereich beschäftigte, nahm diese und ähnliche Berichte der Zeit zum Anlass, sich ab Ende 1939 intensiv mit dem Problem zu befassen. Bis 1943 wurden verschiedene Verbesserungen entwickelt und in die Fertigung übernommen, so dass man sich Ende 1943 durchaus für fähig hielt, eine elektromagnetische Kanone für den Gefechtseinsatz zu entwickeln. Das Heereswaffenamt stand der Idee zunächst skeptisch gegenüber, erteilte aber doch den Auftrag, Grundlagenforschung für ein Ferngeschütz zu betreiben.
Im Oktober 1944 wurde das Projekt dann an an das OKL übergeben, da man dort dringend eine leistungsstarke mittlere Flak benötigte und man anscheinend der Meinung war, dass das Konzept der elektromagnetischen Waffe für den Einsatz als Flak weit genug entwickelt worden war. Vorgesehen war nun der versuchsweise Bau einer elektromagnetischen 4 cm Flak mit einer hohen Mündungsgeschwindigkeit. Mit der weiteren Entwicklung wurde nun die Siemens-Schuckert AG beauftragt, die bis Ende Oktober 1944 die Vorarbeiten der Gesellschaft für Gerätebau bündelte und zu einem Konzept zusammenfasste.

Vorgesehen waren ein Flakgeschütz, das aus einem 10 m langen Rohr ein 7,5 kg schweres Geschoss sowie ein Ferngeschütz, das ein 200 kg schweres Geschoss aus einem 50 m langen Rohr verschoss. Die Mündungsgeschwindigkeit sollte bei beiden Geschützen 2000 m/s betragen.
Zur Stromversorgung wurden eine Gleichstrommaschine, ein Wechselstrom-Stoßgenerator sowie die Verwendung von Kondensatoren erprobt.
Für das Ferngeschütz wurde für den Gleichstrommaschinensatz ein Einsatzgewicht von 2600 t, für den Wechselstromgeneratorsatz eins von 7600 t und für den Kondensatorsatz eins von 7940 t berechnet bei einer Leistung von 400 MW. Für das Flakgeschütz lag das berechnete Gewicht des Gleichstrommaschinensatzes bei immer noch 480 t. Somit war von vornherein klar, dass nur ein Einsatz aus einer festen Stellung mit verbunkerten Maschinensätzen möglich sein würde. Daher wurde von dem sehr großen und aus der Luft entsprechend verletzlichen Ferngeschütz bereits Ende Oktober 1944 wieder Abschied genommen. Auch für eine kurzfristige Einsatzbereitschaft des Konzepts als Flak gab es keine Möglichkeit. Daher wurde nur eine Grundlagenforschung in die Wege geleitet, die weiter bei der Gesellschaft für Gerätebau verblieb. Dort wurden insbesondere Geschossformen entwickelt.

Das Rohr der dort verwendeten elektromagnetischen Versuchsaufbauten war glatt mit je einer Führungsschiene rechts und links. Die Geschosse wurden entsprechend mit seitlichen Flügeln entworfen, die in die Führungsschienen eingelegt wurden. Die elektromagnetische Kraft wirkte stärker auf die Flügel, die entsprechend ausgebildet werden mussten. Zunächst kamen pfeilförmige Geschosse zum Einsatz, die vollständig aus Eisen gefertigt waren. Die Flügel dieser 11,5 bis 12 g schweren Geschosse wurden im Magnetfeld aber so stark beansprucht, dass sie teilweise zerbrachen und so keinen sauberen Flug mehr ermöglichten. So wurden sie durch Flügel aus Tombak (Messing mit 30 % Zink), Kupfer oder Bronze ersetzt. Diese verbesserten die Magnetfeldeigenschaften des gesamten Geschosses günstiger. Dabei erwies sich Kupfer als am idealsten bezüglich der erreichbaren Geschwindigkeit, es führte allerdings auch zu einer stärkeren elektrischen Aufladung des Geschosses.
Im zweiten Schritt wurde die Form der Flügel verändert. So wurde die Pfeilform zugunsten einer Flugzeugform mit unten am Geschoss angebrachten Flügeln geändert. So konnten bis Ende Januar 1945 noch Mündungsgeschwindigkeiten von 930 m/s bei 10 m Rohrlänge erreicht werden. Danach wurde die Forschung eingestellt, da im Endkampf keine unnützen Kapazitäten mehr gebunden sein durften.

Zum Schluss

Schlussbemerkung

 

Aus den vorliegenden Quellen ergibt sich somit, dass das Deutsche Reich bereits 1945/46 in der Lage gewesen wäre, eine elektromagnetische Kanone zu entwickeln und einzusetzen, wenn es der Kriegsverlauf zugelassen hätte. Dabei wäre die Wirksamkeit der schweren, nur ortsfest einsetzbaren Waffe allerdings eher mäßig gewesen und hätte wohl in keinem Verhältnis zum nötigen Aufwand gestanden.

 


(Versuchrampe für eine Railgun)

 

Quellen

Karl Pawlas, Waffen Revue Band 120 und 121, Journal-Verlag Schwend, 2001.

http://de.wikipedia.org/wiki/Railgun (Letzter Aufruf 30.05.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Gau%C3%9Fgewehr (Letzter Aufruf 30.05.2011)
http://www.spiegel.de/video/video-26541.html (Letzter Aufruf 30.05.2011)
http://www.matthewmassey.com/ (Letzter Aufruf 30.05.2011)
http://www.wissenschaft-und-frieden.de/ ... kelID=0690 (Letzter Aufruf 30.05.2011)



Autor: tom!

Das Thema

Heeresversuchsanstalten der Wehrmacht

 


(Heeresversuchstelle Kummersdorf - Versuchsstelle Gottow)

 

Hillersleben und Kummersdorf



Es gibt zwei bekannte Heeresversuchsanstalten bzw. -stellen der Wehrmacht im Deutschen Reich, die eine in Hillersleben und die andere in Kummersdorf. Mit beiden Orten bzw. deren Anlage wird bis heute die Deutsche Hochtechnologie vor und während des Zweiten Weltkriegs in Verbindung gebracht. Die Erprobungen und Entwicklungen im Bereich der militärisch anwendbare Technologie auf den Testgeländen bei beiden Standorten, sind bis heute nicht nur weltbekannt, sondern auch mit einigen Rätseln bzw. Mythen umgeben. Welche Waffen kamen wirklich dort erstmalig zwecks Erprobung zum Einsatz? Einige der Behauptungen über Kummersdorf und Hillersleben sind durch Wissenschaft belegt worden, bei anderen Sachen sind die Quellen höchstens wage.

Hillersleben

Vorstellung Hillersleben

 

Hillersleben (unweit von Magdeburg) hat eine eher bescheidene Geschichte vorzuweisen und ist wohl gerade wegen seiner Unbedeutendheit und Abgelegenheit schon früh für Text und unbeobachtete Erprobungen ins Blickfeld der Militärs gerückt. In der Umgebung von Hillersleben existiert der Truppenübungsplatz Altmark, welche die Colbitz-Letzlinger Heide als ideales Gelände für Erprobungen jeder Art zu verwenden wusste. Vor und während des Zweiten Weltkriegs wurde in Hillersleben eine Heeresversuchsanstalt der Reichswehr bzw. später Wehrmacht aufgebaut. Im Jahre 1934/35 entstand so der zweitgrößte Versuchsplatz auf deutschem Territorium. Dort sollten fortan Erprobung von Artilleriewaffen (Bsp. Dora Geschütz) und andere Waffentechnologien stattfinden. Die Bauzeit der Heeres-Versuchsstelle betrug in etwa zwei Jahre und in der Folgezeit wurde die gesamte Anlage in neun Hauptversuchsstellen aufgeteilt.

 


(Prüfstand für einen Henschelturm)

 

Zum Zwecke einer sicheren und vor allem Sichtgeschützen Erprobung, wurde eine 30 km lange und 750m breite Schneise in den Wald geschlagen. Am westlichen Rand dieser Schneise wurde eine zweispurige Betonstraße auf der gesamten Länge des Platzes angelegt und somit die Abschnitte für die Testbereiche bestimmt. Die verschiedenen Versuchsplätze erhielten Bunkeranlagen. Weitere 281 Hektar Fläche wurden für drei weiter entfernte Versuchsplätze, westlich und östlich der Betonstraße, für die Versuchsstelle eingenommen. Das gesamte Gebiet nahm dabei eine fast ovale Form an und hatte an der breitesten Stelle einen Durchmesser von 15 km. Diese Form hat der Platz bis heute behalten und somit die Naturlandschaft nachhaltig beeinflusst. Wirtschaftlich gesehen war es für die Region ein Vorteil, wenn auch nur kurz und mit weitgreifenden Einschnitten für die Nutzung der Wälder.
Bis auf einen Evakuierungstransport (April 1945), der bis in ein Wäldchen bei Hillersleben gelangte und dabei fluchtartig verlassen von den SS Wachleuten verlassen wurde, ist Hillersleben nicht mit Zwangsarbeitern bzw. diesem unrühmlichen Kapitel der Wehrmacht in Verbindung zu bringen. Die Anlagen wurden nach dem Krieg bis 1994 durch die Rote Armee weiter genutzt. Außerdem hat sich der Standort aufgrund seiner Lage und Bedeutung der vorangegangen Jahrzehnte als militärischer Stützpunkt behaupten können (Standort der 47. Panzerdivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland). So wird das Gebiet um Hillersleben bis heute von der Bundeswehr für Militärische Übungen genutzt und aufgrund seiner Abgelegenheit vor allem bei Tests unter Ausschluss jedweder Öffentlichkeit nur zu gerne in Beschlag genommen.

 


(Krupp Räumer S - Mienenräumer)

Kummersdorf

Vorstellung Kummersdorf



Der Ort Kummersdorf-Gut ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Am Mellensee in einem ehemaligen Gutsbezirk bei Luckenwalde in Brandenburg. Bekannt geworden ist der Ort durch die bis 1945 ansässige Heeresversuchsanstalt der Wehrmacht. Das Gebiet um Kummersdorf quasi Sperrgebiet, weil wie im Fall Hillersleben, das Entwicklungs- und Erprobungszentrum für neue Waffensysteme unter Ausschluss neugieriger Augen ihrer Arbeit nachging. Heute befindet sich dort das Technische Museum Kummersdorf, eine Informationsstelle und Ausstellungsort rund um die Versuchsanstalt und ihrer Geschichte. Bis heute prägen der Nachlass von Reichswehr, Wehrmacht und Roter Armee die Landschaft.
Bei der Gründung spielten einmal die abgelegene Lage und die für Brandenburg so typische Landschaft einer Rolle. Nur 30 Kilometer vor der südlichen Berliner Stadtgrenze, konnte so ein Versuchsareal mit einer enormen Ausdehnung entstehen. Dieser Ausgangslage und die Abgeschiedenheit ließen einen Entwicklungsstandort entstehen, der von der Artillerie bis zur Raketen und Atomwaffenforschung alles erforschte bzw. testete. Dabei kann Kummersdorf auf eine 70ig jährige Geschichte (1875 bis 1945) zurückblicken, die bis heute die historische Forschung im Bereich deutscher Militärtechnologie beflügelt.
Die allerhöchste Geheimhaltung und die militärische Spitzentechnologie hat zwischen Zossen und Luckenwalde , eine nur den wenigsten Zivilsten bekannte Großanlage entstehen lassen. Bis zum Schluss wurden von den Forschern eine 3500 ha große, inmitten märkischer Wälder, Versuchsstelle genutzt. Von der Artillerie über Feldeisenbahnen, Kommunikationstechnik, Panzer, Kraftfahrzeuge bis hin zu Festungsbauten ist dort alles getestet worden. Wobei bereits im Ersten Weltkrieg eingesetztes Gerät in Kummersdort ihre Feuertaufe erhielt. Diese hier erstmals zum Einsatz kommende Militärtechnik beeinflusste den Krieg maßgeblich, die immer größerer werdende Feuerkraft und neuartige Technologie sollte hier ihren Ursprung haben. Die »Zentralstelle für Heeresphysik und Heereschemie« fand hier ihren Sitz und ab 1935 wuchs die Bedeutung steil an, über 1000 Wissenschaftler und Techniker haben hier ihrer Arbeitsstelle gehabt. Ob Zwangsarbeitern und/oder Kriegsgefangene in die Arbeit eingebunden waren, gilt es noch zu untersuchen.
Bedeutung für die Nachwelt erlangte der Standort durch solch prominente Forscher wie Wernher von Braun und sein Raketenprogramm. Die Vorarbeit in Kummersdorf wurde dann von anderen Forschungsinstituten aufgenommen und weitergeführt. Auch die Forschung zur Atomspaltung und Anwendung wurde in Gottow (1942), eine Außenstelle der Anstalt, eingeleitet.
Wie auch in Hillersleben, wurde dieser Ort nach dem Zweiten Weltkrieg weiter genutzt, auch weil sich der Standort bewährt hat und für die Alliierten eine wichtige wissenschaftliche Ressource darstellte. Von 1945 bis 1994 als sowjetischer Militärflugplatz wie Ausbildungsstätte genutzt, war Kummersdorf für die Westgruppe der Sowjetarmee ein wichtiger Stützpunkt in der DDR geworden.

 

Schießplatz und Artillerieforschung

 


(Projektile für die 15 cm Geschütze)



In Hillersleben stand die Erprobung von Feldartillerie und entsprechender Munition (Waffenprüfungsinspektion 4) im Vordergrund. Mit der Weiterentwicklung der Waffensystem und der Priorität beim Projektilen, auf enorme Distanzen abgefeuert zu werden und auch zu treffen, wurde Waffenprüfabteilung 11 hinzugezogen. Diese Abteilung der Wehrmacht war mit der Entwicklung der mit Feststoff- und Flüssig-Treibstoff gespeisten Raketen (V1, V2) verantwortlich. Wahrscheinlich sind Erkenntnisse und Forschungsgrundlagen aus Kummersdorf in Hillersleben hier zur Anwendung gekommen. Der Schießplatz in Hillersleben war durch seine Ausmaße und Erfahrungen für solche Erprobung prädestiniert. Schon zu Zeiten des Kaiserreiches und der Reichswehr wurde das Rohrsystems und die enorme Munition des Eisenbahngeschützes "Dora" und "Gustav" getestet. Diese bis heute größte Kanone verschoss 7 Tonnen schwere Granaten und die Rohren waren Spezialanfertigen mit enormen Aufwand. Auch Infanteriewaffen (panzerbrechenden Typen), Minen und pioniergerechter Sprengstoffen wurden hier erprobt. Im Mittelpunkt standen aber vor allem die neuartigen Waffensysteme und Projektilen, darunter die bis heute legendäre "Hochdruck-Pumpen-Waffe", die "Luftdruck-Waffe", die "240-mm-Kanone" und die "strahlgetriebenen Tromsdorff-Projektile". Die Forschung im Bereich der elektromagnetischen Projektile und Abschussplattformen waren ihrer Zeit voraus und sind heute Grundlage der "Railgun", welche seit Jahren von den US Streitkräften getestet und erprobt werden.
 


(Entwurf für einen Landkreuzer, entstanden aus den Geschützen Dora und Karl Gerät)



Die gesamte Schießbahn umfasste 33 Unterständen, aus welchen die Ziele zu beobachten waren. Dabei konnten Projektile bis zum Kaliber 14,5 cm verfolgt werden. Bei den vier 35 Meter hohe Gittermasten auf dem Gelände, handelte es sich um moderne Messeinrichtungen, welche die Geschwindigkeit der Geschosse beim Verlassen der Geschützrohre (sprich die V 0) festhielten. Man scheute keine Mühen und Kosten, so errichtet man eine Großbunkeranlage mit allen technischen Einrichtungen zur Versorgung, mehrere Etagen, einem 16 Meter tiefen Einschnitt am Eingang und mit einer Schmalspurbahn befahrbar. Es sollten dabei die Einrichtungen und Anlagen am Westwall getestet bzw. die Erprobung panzerbrechender Waffen im Speziellen erprobt werden. Zu den wohl größten Projekte, die auf den Versuchsplätzen realisiert wurden bzw. wohl weltweit einziartig waren in ihren schieren Ausmaßen, waren das Eisenbahngeschütz Dora, die Vergeltungswaffe 3, auch Tausendfüßer genannt und das Eisenbahngeschütz Karl, sowie die Bunkeranlage des Westwalles (Typ A sollte die V 3 beherbergen).

 

Legende:

1 - Stabsgebäude
2 - Artilleriewerkstätten
3 - Muna
4 - Treidelbahn (Versuchsstrecke für u.a. Geschützlafetten / "Treidel" weil die Lafetten von einer E-Lokomotiven gezogen wurden)
5 - Hauptfeuerlinie
6 - Anschlussgleisdreieck
7 - Siedlung

 




Nach dem Krieg und dem Abzug der Amerikaner wurde der Schießplatz Hillersleben durch die sowjetischen Streitkräfte übernommen und weiter ausgebaut. In den Jahren 1946 bis 1948 sprengten die Russen die Bunkeranlagen und verwerteten den Eisenschrott, Gleisanlagen und sonstige Konstruktionen als Reparationsleistungen. Dazu kamen Kasernenanlagen für die Rote Armee, welche als Standort immer wichtiger wurden. Der Kalte Krieg besah in seinen Planung auch den konventionellen Krieg auf dem Schlachfeld Deutschland vor und zu diesem Zwecke sollten innerhalb von 48 Stunden die Kampfkraft auf dem Gelände auf 500.000 Mann erhöht und Hillerleben zur Angriffsbasis Richtung Westen werden. Im Falle eines atomaren Krieges, waren auf dem Übungsplatz auch mobile Abschussrampen für Atombomben stationiert. Aus diesem Grunde wurde wichtige Waldbestand einfach abgeholzt und Platz gemacht für weitere Anlagen.
Noch heute sind solche Testgelände - zwecks geeigneter Landschaft, Gelände und Ausbau - in Europa Mangelware. Gerade deshalb nutzt die Bundeswehr das Gelände bis heute intensiv und die neusten Projektile des Leopard Panzer, werden hier getestet. Die Bundeswehr hat 1994 das Gelände übernommen und zu ihrem Gefechtsübungszentrum in Deutschland ausgebaut. Noch heute befinden sich die Altlasten der einstigen Wehrmacht und der Roten Armee auf diesem Gelände.

V-3

Die Vergeltungswaffe 3 auf dem Prüfstand (V 3)

 


(Die sogenannte "Pariskanone", welche als festinstallierte Geschütze an den Kanalküsten das englische Festland unter Beschuss nehmen sollten)

 

Der Ruf, den sich Hillersleben bis heute bewahrt, besteht in der Erprobung ganz besonderer Waffen. So waren die Eisenbahngeschütze Gustav und Dora nur Vorläufer einer im Zweiten Weltkrieg hier entwickelten Kanone. Waren die Vorläufe dem Konstruktionsprinzip nach Kanonen, so sollten ihre Nachfolger noch größer, noch größer Distanzen überwinden und die Projektile waren Vernichtungsorkane entfesseln. Zu diesem Zweck wurden aus dem Heereswaffenamt zwei Spezialisten nach Hillersleben bestellt (Chef der ballistischen Abteilung und Munition Oberst Ing. Gesit und den Oberbaurat Henning Teltz) um eine neuartige, möglicherweise Kriegsentscheidende Waffe zu konstruieren. Diese Kanone sollte unbeweglich - ein mobile Transport war schon bei den Eisenbahngeschützen kaum machbar - und auf einer speziellen Metallkonstruktion mit einem konstanten Winkel angebracht werden. Diese ersten Anforderungen deuten auf ein enormes Rohre hin, dessen Segmente ähnlich wie Wasserrohre miteinander verbunden werden sollten. Der Schießplatz Hillersleben sollte dabei erste Erprobungen möglich machen, welche nur mit eine speziellen Anlage bewältigt werden konnte. Ein abgefeuertes Geschoss aus dieser Kanone, sollte eine Anfangsgeschwindigkeit von 1500 m/s erreichen, d.h. bis zu 160 km Reichweite. Bei der geplanten Installation an der Kanalküste, wurde das Ziel London anvisiert. So wurde Hillersleben Geburtsort der "Hochdruckpumpe" (HDP), umgangssprachlich auch einfach Tausendfüßler, wegen ihrer für eine Kanone doch untypischen Form, genannt.

 


(Versuchsanordung für eine Hochdruckpumpe, eine erste Form von elektromagnetischen Distanzkanone)

 

Diese deutsche Kanonenkonstruktion in Hillersleben, sollte nur der Vorläufer einer neuen Waffengeneration - von der Propaganda auch als Wunderwaffe bezeichnet - sein. Schon die V 1 sowie die V 2 dienten dem Zweck weite Ziele zu erreichen. In diesem Fall sollte einmal die große psychologische Wirkung als Waffe genutzt werden, aber auch die Forschung auf verschiedensten Bereich - elektromagnetische Feuerplattformen - in der Theorie wie Praxis vorangebracht werden. So wurde seit Anfang 1943 erste Versuche mit einer miniaturisierten Version vom "Tausendfüßler" (Kaliber 2 cm) durchgeführt, dabei bestand das Kanonenrohr aus Segmenten mit der Länge von 50 cm, wobei jedes Segment mit 2 Seitenladungskammern versehen war. Zur Erleichterung der ballistischen Messungen lag die 2 cm- Kanone waagerecht. Es wurden spezielle Geschosse mit der Länge von ca. 35 cm verschossen. Die bei der Schussabgabe erreichten Druckwerte im Kanonenrohr überschritten meistens 2000 at, sogar bei 3000 at wiesen die Rohrelemente keine Anzeichen von erhöhtem Verschleiß auf. man erreichte die gesteckten Ziele und Anfangsgeschwindigkeit von über 1500 m/s durften gefeiert werden. Eine einsatzbereite Kanone vom Kaliber 15 cm sollte nun umgesetzt werden, wobei in Hillersleben eine verkürzte Version vom Tausendfüßler (8 Segmenten) für erste Probeschüsse gebaut wurden. Die Röchling- Werke führten eine Bestellung für 20.000 Geschosse für V-3 aus und das vor den ersten erfolgreichen Test mit dem weitaus größeren Kaliber.

 


(Die Entwürfe für eine unterirdische Hochdruckpumpe, die durch Bunker geschützt auf die britischen Inseln feuern sollte. Die Bunkerstollen und erste Anlagen für das Geschütz sind bis heute zu besichtigen.)



Die Probleme resultieren aus der Länge des Rohres wie aus der Größe des Kalibers, welche die Dichtheit der Ladungskammer stark in Anspruch nahmen: heiße Pulvergase kamen vor das Geschoß, was zu einem vorzeitigen Zünden der Seitentreibladungen führte. Durch ein synchronisiertes elektrisches Zünden der Seitenladungen sollte der Effekt vermieden werden und es sollen auch anderen Antriebskräfte in Betracht gezogen worden sein. Bei 10 Segmenten erreichten die abgefeuerten Geschosse nur noch die Anfangsgeschwindigkeit von 800 m/s, was die Distanzweite wesentlich reduzierte. Die Treibladung Pulver war kein effektives Mittel und die Forschung im Bereich elektromagnetische Waffen war noch in den Kinderschuhen, obwohl genau auf diese Bereiche ausgelegt.

Forschung

Forschungsstandort der Hochtechnologie und einzigartiger Entwürfe

 

Kummersdorf bietet wie Hillersleben zum Einen die Abgelegenheit und zum Anderen die ausladenden Landschaften, die man braucht im Technologie ohne Gefahr und unerwünschter Blicke zu testen. Die Wahl fiel auf den ca. 800 ha großen und überwiegend im Staatsbesitz befindlichen Kummersdorfer Forst, wobei man im Jahr 1873 bereits mit den Planungen begann. Die Eisenbahnstrecke von Berlin-Schöneberg nach Kummersdorf beschleunigte den Ausbau und ließen den Schießplatz am Standort Kummersdorf, mit einer Größe von ca. 3000 ha, zu den im Deutschen Reich wichtigsten militärischen Erprobungseinrichtung werden. Die Reichswehr, die Wehrmacht und nach Kriegsende auch die Roten Armee profitierten von dem zentral gelegenen Übungsplatz.

 


(Alkett VsKfz 617)

 

Dennoch machte nicht der Schießplatz den Standort aus, sondern seine Forschung, allen voran die Physikalisch - Chemische Versuchsstelle Gottow. Im Jahr 1926 als "Zentralstelle für Heeresphysik und Heereschemie" entstanden und 1929 zur offiziellen Reichswehrdienststelle erhoben, wurde nach 1933 intensiv in die militärische Forschung am Standort intensiviert. Deue Forschungseinrichtungen entstanden, wobei die Versuchsstelle Gottow (1937/38 errichtet), für 1000 Beschäftigte ausgelegt, der wichtigste Aktivposten war. Kummersdorf sollte so zum zentralen Angelpunkt für wissenschaftliche Einrichtungen bzw. Forschungen auf militärischen Gebiet werden. Diese umfangreicheren Wehrforschungsaufgaben sollten hier organisiert und gebündelt werden. Darunter fielen die Bereiche Optik, Bildwandler, Ultrarot, Ultraschall, Elektronik, Werkstoffkunde, Messtechnik und auch an Raketentreibstoffen geforscht. Von 1943 bis Anfang 1945 liefen am Standort 120 überwiegend geheime und mit Dringlichkeitsstufen versehene Forschungsaufträge, wobei der Standort seit Mitte 1943 Ausweichstelle der Berliner Forschungsabteilung des Heereswaffenamtes wurde. Die Angriffe auf Berlin konnten die Sicherheit der Anlagen nicht mehr sicherstellen. Erst als die amerikanischen Truppen in Richtung Magdeburg vorstießen, wurden die Einrichtungen zurückverlegt.
Für die Alliierten war Kummersdorf in die näheren Betrachtung gerückt, weil das Referat Ballistik und Munition hier schon früh an Raketentest beteiligt war. Schon die Reichswehr ließ hier die Brauchbarkeit großkaliberiger Raketen erproben und die streng geheimen Versuche mit Raketenbrennöfen durch die Wehrmacht, ließ die Spionage der Briten und Amerikaner aufhorchen. Der Raketenflugplatz Berlin - Reinickendorf wurde bei den Erprobungen mit einbezogen und die neuentwickelten Raketen mit Flüssigkeitstriebwerk hier und auch in Hillersleben getestet. Ein gewisser Wernher von Braun konnte mit seiner Drei - Liter Flüssigkeitsrakete (Mirak III) hier die ersten erfolgreichen Tests absolvieren:

 


(Geschütz Dora)

 

"Was wir auf dem einsamen Platz fanden, erregte unseren Neid und unsere Bewunderung zugleich. Wir fanden einen vollendeten Prüfstand für die Brennkammern von Flüssigkeitsraketen vor, mit Betonmauern umgeben und mit einem Schiebedach versehen. Wir staunten über den Beobachtungsraum und zeigten uns beeindruckt von dem Messraum, in dem sich ein Wirrwarr von allen möglichen Prüfleitungen, Registrierapparaten, Messgeräten u.s.w. befanden. Auf der Schießbahn, wo unsere Rakete erprobt werden sollte, standen neuartige Kino - Theodoliten zur Verfügung, die den gesamten Flug der Rakete auf den Film bannen und zugleich ihren Flugweg vermessen konnten. Wenn wir da an unseren Laden in Reinickendorf dachten, hätten wir eigentlich Minderwertigkeitskomplexe haben müssen."
(von Braun, 1962 in seinen Aufzeichnungen)



Beeindruckt von den Einrichtungen und Möglichkeiten in Kummersdorf, entschloss sich Wernher von Braun, mit dem Heereswaffenamt zusammenzuarbeiten. Dabei war die Erprobung des Flüssigkeitsraketentriebwerk auf den Prüfständen in Kummersdorf mehreren Projekten gewidmet. War es von Brauns Traum einmal zu den Sternen zu fliegen, so hatte er in Kummersdorf doch die Aufgabe Jagdflugzeuge mit einem Flüssigkeitstriebwerk und neuartige Distanzwaffen zu entwickeln, für die Sichtkontakt nicht mehr im geringsten Voraussetzung ist. Seit seinem Beginn in Kummersdorf am 1. Oktober 1932 bis zur ersten kompletten Rakete (Aggregat 1 - A1) 1934, wuchsen die Innovationen auf dem Gebiet der Antriebstechnik in denselben Maße die die Versuchsstelle selber. Hier wurde vor dem Ersten Weltkrieg der 42-cm-Mörser "Dicke Berta" erprobt, hier unterzog das Heereswaffenamt das erste moderne Panzerabwehrgeschütz, die 3,7-cm-Pak L/45 harten Tests, hier begannen die Experimente mit den ersten Pulver- und Flüssigkeitsraketen. Dabei waren die Resultate wie der "Nebelwerfer" und die "Vergeltungswaffe 2" mehr als nur Neuerungen im deutschen Heer, sie waren vielmehr Meilensteine auf dem Weg zu einer modernen Kriegsführung. Schon unter den Einschränkungen des Versailler Vertrages fuhren hier die ersten deutschen Panzerkampfwagen, getarnt als Landwirtschaftsschlepper. Die Panzerkampfwagen III und IV, den "Panther"- und "Tiger"-Kampfwagen wurden hier zum ersten Mal getestet. Dazu kommen Projekte wie "Goliath", Raupenschlepper Ost, Volkswagen, Heeresfeldbahnen, Haubitzen und Kanonen, Feldwagen- und Feldküchen, Minen und Munition.
 


(Abschusslafette für Karl Gerät in Hillersleben 1939)

 


 
Heeresversuchstelle Kummersdorf
 
Versuchsstelle Gottow (1930)
 
bteilung Forschung des Heereswaffenamtes (HWA)
 
5 Unterabteilungen
 
Referate
Referat I a Atomphysik
Referat I b Sprengphysik und Hohlladungen usw.



Jedwede Art von neuer Waffenentwicklungen kam in irgendeinem Versuchsstadium einmal nach Kummersdorf: Raketentriebwerke, Granatwerfer, Gewehre, Neuigkeiten Gebiet der Elektronik, Schall (Akustik) und verschiedene Chemikalien. So auch der N-Stoff (Wolfram Eschenbach), eine aggressive, anorganische Fluorverbindung, welche selbst schwer entflammbare Stoffe in Brand setzen konnte. Oder die "Uranmaschine (Kurt Diebners), der erste Entwurf eines Nuklearreaktor. Die Nuklearforschung und die Raketenforschung nahmen die Hauptstellung in Gottow ein. Die Gebäudeblöcke der Versuchsanlage waren auf dem neusten Stand der Technik (5 Gebäudegruppen mit jeweils 8 Versuchshallen) und die Laboratorien wie ihrer Forscherteams arbeiteten auf dem höchsten Niveau weltweit. Die beiden Hauptgebäudeblöcke waren untereinander durch 3 unterirdische Medienstollen miteinander verbunden. Der südliche Block war komplett unterkellert. Die ganze Anlage lief autark, hatte spezielle Anlagen für Versuchsreaktoren und einen splittergeschützter Feldbahnhof
Nach dem Ende des Kriege wurde die gesamte Anlage für die Siegermächte zu einem Schatztruhe, wo sie sich an den Forschungsunterlagen - soweit noch erhalten - bedienten, die Anlagen ausgeschlachteten und die Laboreinrichtungen als Reparationszahlung in die Sowjetunion geschafft wurden. Heute sind die ehemaligen Teile der Versuchsstelle nur noch zu erahnen. Nach Abzug der sowjetischen Truppen verwahrloste das Gelände zunächst, blieb aber Sperrgebiet aufgrund der Tatsache, dass hier Experimente mit radioaktiven Substanzen durchgeführt wurden.

Testgelände

Testgelände für die letzten Panzergeneration der Wehrmacht

 

 



Die neuesten Entwicklungen im Bereich Panzerfahrzeuge in Kummersdorf bei Berlin wurden noch im März 1945 von hohen Offizieren begutachtet. Sie wurden als Wunderwaffen bezeichnet, wie so vieles in den letzten Tagen des Dritten Reiches, doch die Prototypen in Kummersdorf wurden diesen Ruf anders als ihrer Namensvetter durchaus gerecht. Neben der Vorstellung der Panzer der E Reihe, sollte es auch ein Versuchsschießen mit neu entwickelter Munition geben. Man hatte extra Panzerbesatzungen dazu kommen lassen. Es ist soweit belegt, dass sich zu dieser Zeit Nachweislich die beiden einzigen fertigen Mäuse zu dieser Zeit in Kummersdorf befanden. Ein letzter Test war in Kummersdorf vorgesehen, dann sollte es schnellstmöglich nach Zossen gehen, wo die neuen Panzer die Schlacht gegen die Russen gewinnen sollten. Die Panzer blieben aber mit Motorschaden liegen und mussten gesprengt werden. Die Russen erbeuteten dann später die Überresten der beiden E-100, während andere Panzer der E-Serie von alliierten Truppen selber gesprengt wurden. Vom Flakpanzer Kugelblitz wurden noch 5 Fahrzeuge fertig gestellt, davon kamen einige noch an der Westfront und im Kampf um Berlin zum Einsatz. Die Grille II brachte es leider nur noch bis zum Prototypen, wurde aber in Kummersdorf noch getestet. Vom E-25 und dem Coelian gab es wahrscheinlich keine fertigen Fahrzeuge mehr, ihre Türmer und Geschütze waren dennoch auch in Kummersdorf zu Tests eingelagert gewesen. Beim Panther II gibt es nur sehr widersprüchliche Hinweise auf einsatzbereite Fahrzeuge.
Ein anderes Gefährt hat nur in frühen Entwicklungsstadien in die Kummersdorfer Prüfstände durchlaufen. Der Maus Panzer entspricht so gar nicht seinem Namen und die ersten Entwürfe belifen sich auf ein 188t Kettengerät, dass mit enormen Feuerpotenzial ausgerüstet werden sollte. Die Pläne liefen auf eine ganze Einsatzstaffel der neuen Panzergeneration hinaus. So sollten die Maus Panzer mit 2 Züge E100 Panzer (je 12 pro Zug), flankiert von 2 Zügen E100 ausgerüstet mit 8,8 Doppelflak. Dazu sollten 17 Panther mit Wirbelwindtürmen, 20 SWS mit Bodenluftraketen von einem Ring 30 E100 (Kaisertiger 15cm Kanonen)umgeben, auf das Schlachtfeld rollen. Als Flankensicherung kamen nochmal 8 Tiger S mit 10,5 cm Kanonen dazu. Alle diese Panzerentwürfe, denn oftmals kam man über die ersten Versuche nicht hinaus, nahmen in Kummersdrof ihren Anfang. Leider war es so, dass die letzten Kriegsmonate, nur noch Technik in Kummersdorf zum Einsatz kam, das aus Spar und Ersatzmaterialien minderster Qualität bestand. Dabei war schon der Transport eine neuentwicklung für sich, denn um die Maus Panzer vor Ort zu bringen, hatte man in Kummersdorf mit zweigleisiges Bahnanlagen experimentiert, auf denen 2 Züge ein gewaltige Anhängerkonstruktion bewegen sollten.
 


(Landkreuzer "Ratte" im Einsatz)



Dies war auch bitternötig, denn ohne diese Überlegungen wären die letzten Entwürfe des Heeresamtes nicht umsetzbar gewesen. Schon im Juni 1942 hatte Hitler einen Panzer in Auftrag gegeben, der von der Firma Krupp projektiert wurden. Dieses 1000 Tonnen schwere Panzerfahrzeug hatte den Namen Ratte und sprengte alle vorangegangen Überlegungen. Erste Versuchsanordnungen wurden noch in Kummersdorf gemacht, wobei man schon an den grundlegendsten Parameter scheiterte. vorgelegt. Das 35 Meter lange Fahrgestell sollte einen Drehturm der Kriegsmarine mit zwei 28 cm S.K. C/28-Kanonen als Hauptbewaffnung tragen, damit wäre eine Gesamtlänge von 36 Metern erreicht worden. Man wollte die jeweils 48,4 Tonnen schweren und 14,81 Meter langen Rohre mit 1,26 Meter lange Panzersprenggranate von 330 kg Gewicht, welche 8,1 kg Sprengstoff trugen, füttern. Bei anderen Granaten war ein Anteil von 17,1 kg Sprengstoff in einer 315 kg schweren Sprenggranate im Gespräch. Die Schussweite von 42,5 km war als Distanz angesetzt und nur in Kummersdorf hätte man solche Geschützanlagen testen können, bzw. die Konstruktionen dann nach Hillersleben weitergereicht.

Man brauchte solche Anlagen wie Kummersdorf oder Hillersleben, weil die Wehrmacht und ihrer Entwicklung schon immer neue Wege gingen. Auch heute sind solche Versuchsanlagen wichtiger denn je, vor allem neue Waffentechnologien müssen einen langen Prozess von Testverfahren durchlaufen!
 


(Modellreihe der E - Panzer)


Das Thema

Flaktürme

Hochbunker des Deutschen Reichs


"Wahre Wunder der Abwehr"
Reichspropagandaminister Joseph Goebbels




Die Nomenklatur der Begrifflichkeiten ist äußerst verworren und kompliziert. Der Begriff Flakturm umfaßt immer ein Flakturmpaar,
den (G) Gefechtsturm und den (L) Leitturm. Selbst renommierten Historikern sind immer wieder Verwechslungen und Irrtümer unterlaufen. Zur ihrer Entschuldigung sei aber gesagt, dass auch die federführenden Instanzen des Dritten Reiches sich nicht auf eine einheitliche Begrifflichkeit einigen konnten.
Der G-Turm wurde als Geschütz oder Gefechtsturm bezeichnet, als Batterieturm und Großer Flakturm. Der L-Turm hingegen als Kommandoturm, Horchbunker und kleiner Flakturm. Die Flaktürme hatten militärische wie zivile Aufgaben, einmal sollten sie die Flugabwehr koordinieren und zum Teil selbst durchführen, zum anderen wurden 10000'en von zivilen Luftschutzsuchenden bombensichere Luftschutzräume zur Verfügung gestellt. Dabei gab es insgesamt 3 Flakturm-Generationen, die erste Generation bildeten die 3 Flaktürme in Berlin und der Flakturm IV in Hamburg-Heiligengeistfeld. Die zweite Generation bestand aus 2 Flaktürmen, in Hamburg-Wilhelmsburg und im Arenbergpark in Wien.
Die dritte und letzte Generation waren die Flaktürme Stiftskaserne und Augarten, beide in Wien, die von den ursprünglichen Baudaten erheblich abwichen und bereits die Einsatz und Kampfverfahrung der übrigen Flaktürme architektonisch umgesetzt aufgenommen hatten. Wobei Hitler selbst, nach dem ersten Luftangriff der RAF (Royal Air Force) mit 29 Bombern auf die Reichshauptstadt in der Nacht zum 26.08.1940, den Bau von Flaktürmen befohlen hatte. Bei der Aufgabe der Baugestaltung sah sich der Führer auch als Architekt und Künstler herausgefordert, so dass er eigenhändig Skizzen für die zukünftigen Flaktürme anfertigte, die allerdings eher Ähnlichkeit mit dem Nachkriegsdenkmal in Tobruk als den Flaktürmen in Berlin hatten.
 

 

Zahlreiche Untersuchungen mussten vorab durchgeführt werden. Wie würde zum Beispiel der Baugrund mit seinen vielen Formationsschichten auf 100.000 t Gewicht reagieren? Die obligatorischen Bohrungen vor dem Bau eines Großbunkers würden in diesem Falle nicht ausreichen. Allein um diese Frage zu beantworten wurden erhebliche Anstrengungen unternommen und zum Beispiel riesige Massiv-Betonbauten, sogenannte Großbelastungskörper, zur Bodenerprobung aufgestellt. Ursprünglich waren für Berlin 6 Flak-Gefechtstürme vorgesehen, es wurden aber nur 3 realisiert. Zuerst entstand der Flakturm "Zoo", der wohl berühmteste Bunker im 2.Weltkrieg überhaupt, es folgten die anderen beiden Betonfestungen Humboldthain und Friedrichshain.
Alle Berliner Flaktürme waren in ihren grundlegenden Baudaten baugleich. Sie wurden immer zu Paaren aufgestellt, das heißt, zu jedem Gefechtsturm gehörte jeweils ein Leitturm. Auf dem Gefechtsturm war die Flak postiert, auf dem Leitturm die Funkmessgeräte, deren Schusswerte und Daten über ein Kabeltunnel zum Gefechtsturm übermittelt wurden. Im Jahre 1941 wurden in Hamburg 2 Flakturm-Paare im Rahmen des "Sonderprogramm's Berlin" in Angriff genommen, dessen erstes Bauwerk der Flakturm IV auf dem Heiligengeistfeld war, mit einigen Abweichungen baugleich mit den 3 Flaktürmen in Berlin. Ein drittes Flakturm-Paar im Hamburger Osten wurde nicht gebaut.
Hitler orderte im September 1942 die Errichtung von Flaktürmen in Wien an. Pläne von 1942, in Bremen ebenfalls Flaktürme zu errichten, wurden nicht realisiert. Die insgesamt 8 Gefechtstürme mit ihren Leittürmen bildeten hinsichtlich der Energie und Wasserversorgung autonome Einheiten. Sie bargen Krankenhäuser und Kunstschätze, Forschungslaboratorien, Rüstungswerkstätten, Luftschutzräume für die Zivilbevölkerung und Befehlsstände der Wehrmacht. Die Baukonstruktion hat sich im Kriege bewährt, fast alle Gefechtstürme haben Bombentreffer erhalten ohne weiter Schaden zu nehmen. Der militärische Nutzen entsprach allerdings nicht den in die Flaktürme gesetzte Erwartungen. Die Aufgabe der Flaktürme bestand neben der Koordinierung der Luftabwehr nicht in erster Linie, Feindflugzeuge abzuschießen, sondern diese am Überflug über gewisse Bereiche der Stadt zu hindern, sei es das Regierungsviertel von Berlin im Dreieck der dort gebauten 3 Gefechtstürme oder die von Hitler als wertvoll eingestufte Kulturmetropole Wien.
Nach dem Kriege versuchten die sichtlich beeindruckten Alliierten die Flaktürme zu sprengen, mit mäßigem Erfolg. Die Berliner Bunker wurden durch kleinere Teilsprengungen, Abtragungen und Erdaufschüttungen, sogenannte Bunkerberge, unsichtbar gemacht. Lediglich ein Teil des Gefechtsturmes Hunboldthain ist heute zu besichtigen. In Hamburg stehen nur noch die beiden Gefechtstürme, während in Wien wegen der Bebauungssituation noch alle 3 Flakturm-Paare vorhanden sind.

 


Konstrukteur der Flaktürme, Architekt Prof. Friedrich Tamms.

Berlin/Zoo

Berlin

Planung und Durchführung




Am 09.09.1940 kam der Befehl zum Bau der Flaktürme in Berlin. In dem betreffenden Schriftstück der Adjutantur der Wehrmacht beim Führer waren 6 Flaktürme vorgesehen. Im Tiergarten 3 und jeweils einer im Humboldthain, Friedrichshain und in Hasenheide, im Bezirk Tempelhof. Bewaffnet sollten die Türme mit jeweils 4 x 10,5 cm Schiffsflak in Zwillingslafette, sowie mehrere 3,7 cm und 2 cm Flak werden. Innerhalb der Türme waren für die Bedienungsmannschaften der Flakgeschütze bombensichere Unterkünfte vorgesehen.
Albert Speer sollte die architektonische Leitung der Bauten übernehmen, aber schon diese Pläne riefen Probleme hervor. Auf einer Sitzung am 20.09.1940, an der General Steudemann (Inspekteur der Flakartillerie), General Hauboldt, Fregattenkapitän Sorge und 12 weitere Offiziere, sowie Dipl. Ing. Körting Dr. Hentzen vom GBI teilnahmen, äußerte sich General Hauboldt bezüglich der Flakartillerie dahingehend, dass die 10,5 cm Schiffsflak nicht greifbar sei, eine 12,8 cm Marine-Flak komme erst in 1,5 Jahren zum Einsatz, man müsse erst einmal mit der vorhandenen 10,5 cm Flak auskommen. Bei dieser Besprechung wurden auch die technischen Daten festgelegt, die sich allerdings in der Bauausführung stark verändern sollten. Ein Flakturm sollte aus 4 miteinander verbundenen Türmen bestehen, in deren Mitte in einer Radiusentfernung von 35 m ein Kommandogerät aufgestellt werden sollte. Der Grundriss wurde mit 60 x 60 m angegeben, die Höhe mit 25 m, damit die Türme die Bäume des Tiergartens überragen. In einer Entfernung von 400 - 500 m, unter Umständen auch in nur 300 m Entfernung vom Gefechtsturm, sollte ein Kommandoturm gebaut werden, der einen Grundriss von 30 x 30 m bzw. 40 x 40 m haben sollte. Die Besatzung des L-Turm's sollte 100 Mann und 6 Offiziere betragen, die des G-Turm's 160 Mann und 6 Offiziere. Eingebaut werden sollten bombensichere Munitionsräume mit Paternosteraufzügen, eine Küche, Speise-, Vorrats und Geschäftsräume usw.! General Rüdel wurde beauftragt, bei Hitler vorzusprechen und auch die Möglichkeit von der Errichtung von Batterietürmen vorzutragen, das heißt, auf Grund der technischen Notwendigkeit von den Gefechtstürmen getrennte Kommandotürme zu bauen, gleich 2 oder 3 G-Türme hinzu zu stellen. Nachdem die Standorte der Flaktürme nach militärischen Prämissen besprochen worden waren, wurden auch städtebauliche Punkte diskutiert.
 

"Die Flaktürme sollen möglichst in Beziehung zu Gebäude oder Straßenachsen gebracht werden, um ihnen eine monumentale Bindung zu geben."
Zitat Hentzen

 

 

 

Für die architektonische Gestaltung wurde am 01.10.1940 vom Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen, Dr. Fritz Todt der Architekt Friedrich Tamms, Mitarbeiter des GBI (Generalbauinspekteur für die Reichshauptstadt) und des Generalinspekteurs bestimmt.
Die Inspektion der Flakartillerie (Abt. Befestigung) teilte am 23.09.1940 die Ergebnisse einer Besprechung der mit dem Projekt befassten Dienststellen mit. Die Wahl schwerer Flak bereitete einige Sorgen, denn doppelläufige 10,5 cm Schiffs-Flak könne die Marine erst in 1,5 Jahren zur Verfügung stellen. Die Schiffsflak waren 3-achsige Geschütze, ausgestattet mit einer Wackelachse (Kantrichtwerk) zum Ausgleich von Schiffsbewegungen und daher erheblich komplizierter als übliche ortsfeste Flak an Land. Für die ortsfeste Verwendung von Flak hatte die Marine eine 12,8 cm Flak entwickelt, die aber ebenfalls erst in 1,5 Jahren zur Verfügung stehen würde. Es wurde vorgeschlagen, die Sockel auf den Flaktürmen für die 12,8 cm Flak auszulegen und zuerst provisorisch mit dem Kaliber 10,5 cm zu bestücken. Vorgeschlagen wurde ferner, neben dem Einbau von 2 und 3,7 cm Flakgeschützen auch 5 cm Flak zu verwenden.
Bei dieser Besprechung wurde auch klar, dass für jede Turmflakbatterie 2 Türme errichtet werden mussten. Das Haupt-Kommandogerät und die neue Radartechnik mussten in einem Abstand von 300 - 500 m von den schweren Geschützen entfernt sein, dass hatte auch die Marine bestätigt. Es mussten also ein G-Turm (Gefechtsturm, Batterieturm) mit den 4 schweren Geschützen und einer Befehlsstelle (B II), sowie leichte Flak gebaut werden sowie ein Kommandoturm mit Befehlsstelle (B I), ausgerüstet mit Hauptkommandogerät, elektronischem Messgerät, Horchgerät, eventuell Scheinwerfer usw.! Auf dem L-Turm sollte auch leichte Flak postiert werden, der Einsatz des Kommandogerätes 40 auf dem G-Turm solle aber auf die Zeit begrenzt sein, wo die Befehlsstelle (B I) nicht arbeitet.
Die Maße der Gefechtstürme wurden von den schweren Flakwaffen bestimmt. Sie mussten von der Befehlsstelle (B II) mindestens 35 m entfernt sein und der Abstand zwischen den Flakgeschützen 50 - 70 m betragen. Jede schwere Flak würde eine Plattform von 10 x 10 m benötigen. Die leichten Flakwaffen sollten tiefer angeordnet werden, um den Wirkungsbereich der schweren Einheiten nicht zu beeinträchtigen, allerdings waren die Bedienungsmannschaften dem Mündungsknall der geplanten 12,8 cm Flakgeschütze ausgesetzt. Eine andere Möglichkeit bestand, die leichte Flak und das Kommandogerät auf einer erhöhten Position in der Mitte des Flakturm's aufzustellen, was aber bedeuten würde, dass bei Gefechtshandlungen mit niederer Rohrerhöhung jeweils ein Geschütz ausfallen würde. Um die Standsicherheit der Türme zu gewährleisten, mussten sie nach unten hin um 20 x 20 m verbreitert werden. Man rechnete mit einem Geschützgewicht von etwa 30 t und die Rückstoßkraft von 25 t. Unter der Plattform sollten Bereitschafts-, Wohn und Diensträume eingerichtet werden, Räume für Munition und Gerät, sowie die dazugehörigen Aufzüge und Maschinenräume.

 

 

 

Der L-Turm (Leitturm - Kommandoturm) sollte eine Plattform von 10 - 15 m im Durchmesser erhalten. Die leichte Flak und Scheinwerfer sollten etwas tiefer gelegen eingebaut werden. Im L-Turm waren neben Wohn-, Bereitschafts- und Geräteräume der Batteriegefechtstand und Räume für die Nachrichtenvermittlung vorgesehen.
Beide Türme sollten nicht in der Nähe von Gebäuden errichtet werden, um in Bezug auf die Geschütztürme Schießschäden und in Bezug auf die Kommandotürme, die Echowirkung zu vermeiden. Trotzdem waren die Planungen Städteplanerisch wesentlich komplizierter. Sollte der Führerbefehl befolgt werden, im Tiergarten 3 Flaktürme aufzustellen, würden noch die 3 L-Türme hinzukommen.

 

" Es wird für den Generalbauinspektor eine schwer zu lösende Aufgabe sein, diese 6 Türme mit den bestehenden und geplanten sonstigen Bauten und Denkmälern im Tiergarten in harmonischen Einklang zu bringen."
Die Inspektion der Flakartillerie notierte am 23.09.1940

 

Einfacher wäre die Integration dieser Bauwerke im Tiergarten, wenn man sich auf 2 Paare beschränken würde. Bezüglich des Tiergartens beschränkte man sich auf einen G-Turm mit einem L-Turm. Architekt Tamms machte sich aber Sorgen um die Tiere im Zoologischen Garten, die wegen des lauten Mündungsknalls so leiden würden, dass sie voraussichtlich nach und nach eingehen würden. Da der Zoo sowieso verlegt werden sollte, konnte das Problem der Tiere als gelöst betrachtet werden. Ein Vorschlag Tamms, den geplanten Standort des Flakturms zu verlegen, wurde abgelehnt.
Am 25.10.1940 legte Tamms bei einer Besprechung Speer einen Lageplan im Maßstab 1:2000, 9 Grundrisse und ein Modell 1:200 vor. Speer erklärte sich im Wesentlichen mit den Ausführungen einverstanden. Am 06.03.1941 legte Tamms Speer Detailzeichnungen und 2 Modelle im Maßstab 1:50 vor. Speer erklärte sich mit der architektonischen Gestaltung einverstanden. Schwierigkeiten gab es aber mit der Steinverblendung über dem Granitsockel. Gewünscht wurde eine Verblendung mit französischem Kalkstein oder deutschen Sandstein. Später überbrachte Speer einen Wunsch Hitlers an Tamms, an allen Eingängen zum Flakturm Zoo große Tafeln mit den Namen deutscher Fliegerhelden anzubringen.
Die Flaktürme wurden als kriegswichtige Bauten der höchsten Dringlichkeitskategorie eingestuft. Der Flakturm I mit den Bauteilen A (Geschützturm) und B (Leitturm) hatten ihren Standort am Zoo und trugen die Kennnummer OX Berlin 1. Die Baukosten wurden am 06.03.1941 mit 5,5 Millionen Reichsmark veranschlagt, wobei es sich hier um eine Abschlagssumme des im Bau befindlichen "Zoo-Bunkers" zu handeln scheint. Der Flakturm II Friedrichshain wurde mit den Bauteilen D (Geschützturm) und E (Leitturm) auf 24 Millionen Reichsmark veranschlagt. Er trug die Kennnummer OX Berlin 3.
Einschließlich der dazugehörigen Folgeeinrichtungen, wie Versorgungsanlagen, Zuwegungen oder Nebelanlagen, wurden sie als Bauvorhaben der Dringlichkeitsstufe O anerkannt. In Tremmen / Havelland, etwa 40 km westlich von Berlin, wurde 1941 für 500.000 Reichsmark ein Nachrichtenturm (Bauvorhaben C) mit der Kennziffer OX Berlin 2 gebaut. Dort wurde das erste deutsche Panoramagerät installiert, dass dem Gefechtsstand der 1. Flakdivision über eine direkte Kabelverbindung die Meßdaten, Reichweite 300 km, bezüglich anfliegender Feindverbände laufend vermittelte.
Im Jahre 1941 gab es den Plan, das Reichstagsgebäude als Flakturm umzubauen. Das aus schlesischem Granit errichtete Gebäude hatte ebenfalls 4 Ecktürme, die sich scheinbar für den Ausbau von Flakstellungen zu eignen schienen. Am 01.07.1941 sollte der Umbau beginnen, Aufsatzturm auf der Kuppel und Skulpturen sollten abmontiert werden!

 

Der Flakturm Zoo (G-Turm)

 

Im Oktober 1940 begann der Bau des berühmtesten Flakturms, dem sogenannten "Zoo-Bunker". Der Inspekteur der Flakwaffe, Generalleutnant Steudermann hatte dazu am 09.09.1940 den Befehl übermittelt. Die Reichsbahn sagte für die tägliche Baustoffzuführung 2 Züge mit 1.600 t Baumaterial zu, auf dem Wasserwege wurden täglich 500 t angeliefert. Nachdem der G-Turm betonfertig war, wurden von der Deutschen Reichsbahn mit schweren Zugmaschinen und Tiefladern die 71 t schweren gepanzerten Munitionsaufzüge herangebracht. Der Flakturm hatte zwar über seinem Haupteingang auf der unteren Plattform einen ständigen Kran, der aber dieses Gewicht nicht heben konnte, da er nur für 10 t ausgelegt war. So wurde ein Krangerüst gebaut, die Panzerkuppeln auf die Geschützplattform gehoben und über die Munitionsaufzugschächte gesetzt.
Die Grundfläche des G-Turm's betrugen 70,5 x 70,5 m. Die kubisch bewehrten Außenwände waren 2,50 m dick, die sich nach oben hin auf 2 m verjüngten. Später erhielt der Flakturm einen grün-grauen Anstrich. Der Flakturm hatte 1 Keller-, ein Erd- und 5 Obergeschosse. Die Stockwerke waren durch Wendeltreppen in den jeweiligen Turmecken miteinander verbunden. Ferner gab es ein Treppenhaus im Zentrum des Flakbunkers sowie einige Nebentreppen. Hinzu kamen 2 Lastenaufzüge, die aber nur militärisch genutzt werden durften oder zur Beförderung von Verletzten in das Lazarett verwendet wurden. Manchmal wurden die Aufzüge auch als Arrestzelle für Luftwaffenhelfer genutzt.

 

Die Befehlsstellen auf dem G-Turm Zoo. Im Hintergrund eine 10,5 cm Flak. Auf dem L-Turm der "Würzburg-Riese", rechts die Siegessäule.



Ausgelegt war der Flakbunker für 8000 zivile Luftschutzsuchende, es wurde aber berichtet, dass bei Angriffen bis zu 30.000 Menschen dort Schutz fanden. Für die Zivilbevölkerung standen 3, 4 m x 6 m große Eingangstüren zur Verfügung, die sich aber bei dem Menschenandrang als zu klein erwiesen. Später wurde eine Holztreppe auf gemauerten Säulen über dem Westeingang errichtet, über die man direkt Zutritt in das 1. Stockwerk erhielt. Bei den Berlinern galt der Zoo-Bunker als der sicherste Sarg der Welt.
Im 2. Obergeschoss waren in vollklimatisierten Räumen Kunstschätze aus 14 Berliner Museen gelagert, so der Goldschatz des Priamos, die Münzsammlung von Kaiser Wilhelm und die Büste der Nofretete. Albert Speer hatte dem Direktor der Preußischen Museen Otto Kümmel am 10. Juni 1941 betreffende Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Im August 1941 wurde der Pergamonfries in den Flakturm überführt. Ein Jahr lang brachten LKW's wertvollste Kunstschätze in die Betonburg, wo sie auf 1500 qm gelagert wurden. Da die Sicherheit des Lagerortes gegen Kriegsende abnahm, beschlossen die Museumsfachleute die Evakuierung des Kulturguts in Bergwerkstollen und begannen am 22. März 1945 mit der Räumung.
Im 3. Obergeschoss wurde ein Lazarett mit 95 Betten und 2 Operationssälen eingerichtet. 8 Ärzte, 20 Schwestern sowie 30 Hilfskräfte versahen hier ihren Dienst. Prominente Persönlichkeiten der damalige Zeit wurden dort behandelt. So wurde Hana Reitsch, die Ende 1943 bei einem Luftangriff verletzt worden war, der beim Attentatsversuch vom 20. Juli 1944 schwer verletzte Generaloberst Schmundt oder der im Februar 1945 an der Oder abgeschossene Schlachtflieger Hans-Ulrich Rudel, der im Lazarett im G-Turm von Goebbels und Göring besucht. Im 4. Obergeschoss war das gesamte Flak-Personal untergebracht. Im April 1941 war das Flakturm-Paar Zoo einsatzbereit.

General Kressmann hatte als Kommandeur der 1. Flakdivision seinen Gefechtsstand im L-Turm, nach seinem Tod, ab Dezember 1944, General Sydow. Obwohl die Baumaßnahmen geheim waren, ließ sich jedoch nicht alles verbergen. Als z.B. auf dem L-Turm der Würzburg-Riese aufgestellt worden war, wurden von Angehörigen der amerikanischen Botschaft heimlich Fotoaufnahmen gemacht.
Der G-Turm verfügte über einen eigenen Tiefbrunnen und war von der städtischen Wasserversorgung unabhängig. Autonom war der Flakturm auch hinsichtlich der Elektrizitätsversorgung. Es wurde auch eine Großküche und eine Bäckerei eingerichtet. Militärs behaupteten später, die Flakfestung Zoo hätte sich noch ein Jahr nach der Kapitulation halten können, gleichgültig, was im übrigen Berlin passiert wäre. Zuerst sollen auf dem G-Turm 8,8 cm Flak postiert gewesen sein, auf den Terrassen 2 cm Vierling und 3,7 cm Flak. Zeitweise kamen auch 10,5 cm Flak 39 auf dem G-Turm zum Einsatz. Ab August / September 1942 kamen die von Hanomag gefertigten 12,8 cm Flak 44 in Zwillingslafette, von denen Hitler sagte, sie sei die schönste Waffe, die je konstruiert wurde. Die Vierlingsflak wichen Drillings-Flakgeschütze, die eigentlich für Vorpostenboote der Kriegsmarine bestimmt waren. Batteriechef der 1. Flakabteilung 123 (T) auf dem G-Turm war Oberleutnant Maschewski.
 


Der Gefechtsturm Zoo aus der Vogelperspektive.



Die 12,8 cm Flak 40 galt als eine der wirkungsvollsten Flakgeschütze im 2. Weltkrieg, reichte aber 1944 / 1945 zu Beginn des Raketenzeitalters, das mittlerweile auch bei der Flak-Waffe begonnen hatte, nicht mehr aus. Die Schusshöhe betrug 14.800 m, die maximale Schussweite 20.950 m. Die Feuergeschwindigkeit betrug 20 - 24 Schuss/Minute für die Zwillingsversion 10 - 12 Schuss pro Rohr. Der Schwenkbereich war 360°, die Erhöhung betrug -3 bis +88°. Das Gewicht in Feuerstellung betrug 27 t.
Von der Zwillingsversion wurden bis 1945 insgesamt 34 gebaut und fast ausschließlich als Turmflak verwendet, nur im Raum "Buna" sollten 12,8 cm Flak in Zwillingslafetten 1944 / 1945 in Erdstellungen montiert werden, wozu es aber nicht mehr kam. Die 12,8 cm Zwilling hatte an der rechten Seite die Seitenrichtmaschine und an der linken Seite die Höhenrichtmaschine (Stufenlose Pittler-Thoma-Getriebe mit E-Motor Antrieb). Geladen wurde elektronisch. Die Turmgeschütze sollen von Seismographen kontrolliert worden sein. Geführt wurde die Flak vom Kommandogerät 40. Bei guter Sicht wurde nach optischen Werten, bei schlechten Wetterverhältnissen nach Radar-Werten geschossen.
Es konnten auch Schussdaten der L-Türme Friedrichshain und Humboldthain im Bedarfsfalle herangezogen werden. Manchmal griff die Turmflak sogar bei Luftkämpfen ein, wobei einmal aus Versehen eine Me-109 abgeschossen wurde, deren Pilot aber unbeschadet auf der Ost-West-Achse notlanden konnte.

Bei Salventakt wurde nach einem bestimmten Verfahren geschossen, so dass 16 Granaten in einem Raum von 240 m explodierten, den sogenannten Fenstern. Die schwere Turmflak in Berlin bewirkte u. a., dass die Alliierten die Reichshauptstadt in bedeutend größere Höhe angreifen mussten als zuvor. Bedient wurde die Flak zuerst von Luftwaffensoldaten der Flakartillerie, ab 1943 kamen Luftwaffenhelfer hinzu sowie ukrainische Hilfswillige und eine Abteilung russischer Kriegsgefangener. Die Besatzung beider Türme war etwa 500 Mann stark, davon 200 im L-Turm. Der G-Turm erhielt 1943 mindestens einen schweren Bombentreffer, der Tote und Verwundete unter den Geschützbedienungen hervorrief. Verluste wurden auch durch Brandbombentreffer verursacht.
 

 

Bei den Endkämpfen um Berlin 1945 zog der Befehlsstand der 16. PGD (Panzergrenadier-Division) unter Oberst von und zu Gilsa in den L-Turm. Ab 21.04.1945 lag das gesamte Gebiet um den Zoo-Bunker unter schweren sowjetischen Haubitzenfeuer. Die in Marzahn stationierte schwere sowjetische Batterie wurde von den 12,8cm Flakgeschützen der Turmflak in der Distanz von 12 Kilometer unter Feuer genommen. Im Flakturm wurden 500 sowjetische Abschüsse gezählt, die Turmflak selbst verschoss 400 Granaten nach Marzahn. Im Laufe der weiteren Kämpfe soll die Turmflak auch sowjetische Panzer abgeschossen haben.

Am 25.04.1945 erreichten 64 Angehörige der 18. Sanitätskompanie unter Oberststabsarzt Werner Starfinger den G-Turm. Zur Entlastung des Luftwaffenlazaretts richtete der Divisionsarzt ein weiteres Lazarett ein. Verstorbene und Gefallene wurden in Einzel-und Massengräber rund um den Bunker von Ärzten und Pflegern begraben. Währenddessen wurden die Flaktürme Zoo von sowjetischen Schlachtfliegern laufend angegriffen und beschossen.

 

"Der Vorstoß unserer Truppen ins Herz Berlins wurde durch eine Reihe anderer Umstände erschwert. Wir trafen auch auf fünfstöckige Bunker, die 36 Meter hoch waren und deren Mauern 1-3 Meter dick waren. Für die Feldartillerie waren diese Bunker unverletzlich. Auf ihrem Dach war in der Regel Flakartillerie aufgestellt, die nicht nur unsere Luftwaffe, sondern auch Panzer und begleitende Infanterie angriff."


Marschall Schukow über die Bollwerke des Widerstandes in Berlin



Bei diesen Gefechten wurde von der Turmflak versehentlich der Turm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche getroffen und Ende März 1945 zog die Zentrale für die fernmündlichen Meldungen des Panzerwarndienstes ein. In den Apriltagen 1945 lief die einzige Funkverbindung über den G-Turm aus der eingeschossenen Stadt. Da die Außenverbindung des Führerbunkers ausgefallen war, wurde mit Hilfe einer an einem Fesselballon befestigten Antenne die Meldungen über den G-Turm Zoo übermittelt. Über diese Verbindung ließ Hitler die Frage übermitteln: "Wo bleibt Wenck?"
Am 25.04.1945 besuchte der Verteidigungskommandant von Berlin, General Weidling den Kommandeur der 1. Flakdivision Sydow, der kurz darauf von sowjetischen Bombern angegriffen wurde. Der hohe Turm schwankte unter den Explosionen der in der Nähe detonierenden Bomben. Im Zoobunker waren noch etwa 2000 Soldaten und unzählige Zivilisten. Der Luftwaffenarzt Dr. Walter Hagedorn schätzt ihre Zahl auf 30.000 Tote und amputierte Gliedmaßen konnten nicht mehr aus dem Bunker gebracht werden, da er unter Dauerfeuer lag. Im G-Turm waren über 500 Leichen und 1.500 Verwundete. Kurz bevor die Besatzung des Zoo-Bunkers kapitulierte, lief eine Selbstmordwelle durch den Stahlbetonkoloss. Der G-Turm wurde am 02.05.1945 um 00:30 Uhr den Sowjets übergeben, der L-Turm um 05:00 Uhr von Oberst Wöhlermann.

 

Der Flakturm Zoo (L-Turm)

 


Vierlingsflak auf dem Gefechtsturm Zoo. Rechts im Bild der Leitturm mit dem Würzburg-Riesen.

 

Im April 1941 war neben dem G-Turm auch der L-Turm Zoo fertiggestellt worden. Auf der Messgeräte-Plattform wurde ein FuSE 65 "Würzburg-Riese" und ein FuMG 39T "Würzburg" installiert. Der "Würzburg-Riese" hatte eine Reichweite von etwa 80 km und eine Entfernungsmessgenauigkeit von 15-20 Metern. Geschützt wurden die Radaranlagen von leichten Flakgeschützen der Turmflakabteilung 123 von Oberstleutnant Karl Hoffmann auf der unteren Plattform.

 

" ... Achtung, Achtung, hier spricht der Befehlsstand der 1. Flakdivision ... feindliche Bomberverbände befinden sich im Anflug im Raum Hannover Braunschweig ... Wir kommen wieder."
Im L-Turm war der Leitstand der 1. Flakdivision untergebracht. Von dort kamen auch die Durchsagen über den Drahtfunk

 

Ferner war auch ab Herbst 1944 die Luftwaffennachrichtenabteilung 121 unter Oberstleutnant Frikke eingesetzt. Auf den L-Turm gab es einen Beobachtungsstand für etwa 12 Personen. Dort beobachteten Parteifunktionäre oder ranghohe Vertreter der Regierung wie Albert Speer fasziniert das Schauspiel der Luftkämpfe über Berlin. Im April 1945 zog der Artilleriekommandeur für den Verteidigungsbereich Berlin, Oberstleutnant Platho, in den L-Turm, der am 25.04.1945 von Oberst Wöhlermann abgelöst wurde.

 

Der Flakturm Zoo - Nach 1945

 

"Die Angriffe auf Berlin boten vom Flakturm aus ein unvergessliches Bild."
Albert Sperr

 


Die Nordseite des G-Turms Zoo im Berliner Tiergarten, nahe des Bahnhofs Zoo.

 

Dr. Hagedorn blieb im G-Turm Zoo bis September 1945, dann zogen Abteilungen des Robert-Koch-Krankenhauses Moabit in den Flakturm. In der 1.Etage befand sich die Typhusabteilung, in der 2.Etage die Chirurgie, in der 3.Etage die Ruhrabteilung. Prof. Dr. Siebert bekämpfte in der 4.Etage Typhus und Ruhr. Der Zoo-Bunker nahm 330 Kranke auf, geplant war aber eine Behandlungskapazität von 500. Zu diesem Zeitpunkt, März 1946, waren die Flakgeschütze noch vorhanden. Im Winter diente der Flakturm auch als Obdachlosenasyl. Gleichwohl befahlen die Briten die Räumung des G-Turms bis zum 15.04.1947.

 


Dieser einst Ehrfurcht einflößende Betonriese liegt gesprengt darnieder. Wenige Jahre später sollte vom Gefechtsturm nichts mehr zu sehen sein.



Am 28.06.1947 wurde der L-Turm gesprengt. Der G-Turm sollte ebenfalls gesprengt werden. Die ersten beiden Versuche, am 30.08.1947 und 27.09.1947, waren vergeblich gewesen. Dann wurden mit Sauerstoff-Lanzen 435 Sprenglöcher in die Betonwand gebohrt. Nach viermonatiger Vorbereitung wurde dann am 30.07.1948, um 12:24 Uhr die Sprengung mit 35 t Dynamit durchgeführt, diesmal mit Erfolg.
In Mitleidenschaft wurden die Zoo-Gebäude gezogen, die Tiere waren zwar zweimal evakuiert worden, doch nach der Rückkehr waren viele Gehege und Tierhäuser schwer beschädigt. Mit der Beseitigung des G-Turms wurde Sprengmeister Hans-Jürgen Marquardt beauftragt, der später auch den L-Turm auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg abreißen sollte. 1950-1951 wurde der entstandene Trümmerberg begrünt, allerdings ohne großen Erfolg. Am 18.04.1955 beschloss der Senat, den Bunkerberg für den geplanten U-Bahn-Bau der Linie G (heute 9) abzutragen. Das Geröll, ca. 412.000 cbm Trümmerschutt, wurde zermahlen und für den Straßenbau verwendet. Der Erlös glich die Abrisskosten in Höhe 4.000.000 DM aus. Erst 1969 wurden die Reste der Fundamentplatte entfernt. Heute befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen L-Turms die Vogelschutzinsel im Tiergarten, im Bereich des G-Turms die Flusspferdanlage des Zoologischen Gartens.

Berlin-Friedrichshain

Der Flakturm Friedrichshain

 

 

Am 20.01.1941 fand eine Besprechung bezüglich der Bestimmung des Standortes des Flakturms II Friedrichshain statt. Die Abteilung Rüstungsausbau des Reichsministers für Bewaffnung udn Munition legte Pläne vor. Der L-Turm war in der Mitte des Parks, etwa 350 m vom G-Turm entfernt geplant. Der G-Turm sollte unmittelbar hinter dem Märchenbrunnen im spitzen Winkel des Parks zwischen Friedensstraße und Straße am Friedrichshain liegen. Doch auf Grund eines geplanten großen HJ-Heimes wurden die Standorte neu festgelegt. Der G-Turm sollte etwa 400 m von der Westfront des Krankenhauses Horst Wessel liegen, der L-Turm unmittelbar nördlich des Krankenhauses zwischen diesem und der Ecke Werneuchenerstraße in rund 350 m Abstand vom G-Turm.
Ab April 1941 entstand im Friedrichshain ein 39 m hoher G-Turm mit einem etwa gleich hohen L-Turm. Auch in diesem Flakturm wurden später Kunstschätze Berliner Museen gelagert. Am 03. und 26.02.1945 erhielt der Flakturm Bombentreffer. Bei dem Treffer am 03.02.1945 überlebten nur 3 Angehörige des Geschützes "Cäsar". Die Luftschutzsuchenden im Flakturm bemerkten den Treffer lediglich daran, dass auf einmal Soldaten im Treppenhaus auftauchten und Unruhe entstand.
Im L-Turm Friedrichshain hatte der Kommandant der Turmflakabteilung 123, zuletzt Oberstleutnant Karl Hoffmann, seinen Gefechtsstand. Seit Herbst 1944 waren im L-Turm auch Kunstgüter untergebracht. Dort befanden sich die 1636 kostbaren Gemälde des Kaiser-Wilhelm-Museums. In den Morgenstunden des 02.05.1945 kam es zu einem Ausbruchversuch, Oberstleutnant Hoffmann beteiligte sich mit seiner Turmbesatzung daran, den sowjetischen Ring zu durchstoßen. Am 02.05.1945 wurde der L-Turm von sowjetischen Truppen besetzt. Die Museumswächter hatten nach Lichtausfall wegen eines Bombentreffers auf dem Kabeltunnel den Leitstand verlassen. Als aber am 06.05.1945 ein Kontrollgang des Museumsangestellten Kiau durchgeführt wurde, stellte er fest, dass das 1. Stockwerk des L-Turms ausgebrannt war. Am 18.05.1945 fand man auch das Restdepot im 2. und 3. Stockwerk ausgebrannt vor. Angeblich waren 411 alte Meister verbrannt, aber später tauchten Bilder aus diesem Bestand bei Kunstauktionen wieder auf.

 

Der G-Turm ist mit der 10,5 cm Flak 39 (Einzelwaffe) ausgerüstet, ursprünglich waren doppelläufige 10,5 cm Flak vorgesehen. Im linken Bereich der unteren Plattform ist noch Schallholz erkennbar und vor den Fensteröffnungen sind noch keine Stahlblenden angebracht worden. Gut zu sehen sind aber die weißen Aussparungen für die Scharniere der in Rahmen sitzenden 6 cm starken, 2,10 m hohen und 1,07 m breiten Panzertüren. Von der Innenseite waren die Fensteröffnungen durch Stahlgeländer geschützt.

 

Der Gefechtsturm Friedrichshain spaltete sich nach der Sprengung in zwei Hälften. Anschließend bedeckte man ihn bis zur Oberkante mit Trümmerschutt.

 



Ohne weitere Kampfhandlungen übergab der zurückgebliebene Arzt des Lazaretts am Vormittag des 02.05.1945 beide Türme der Roten Armee. Die Sowjets sprengten am 29.04.1946 das erste Mal den G-Turm, am 02.05.1946 den G-Turm mit genügend Sprengstoff, er brach in der Mitte durch. Von 1947 bis 1950 wurden von Notstandsarbeitern, unterstützt von einer Feldbahn, Schutt und Trümmer an den G-Turm angeschüttet. Heute ist der "Große Bunkerberg" 79 m hoch, lediglich die Brüstung des Stand A und ein Teil der Westwand sind noch zu sehen.

Berlin-Wedding

Der Flakturm Humboldthain

 


Links: Der G-Turm Humboldthain, erkennbar durch die abgeschrägten Ecken an der unteren Plattform.
Rechts: Modellansicht der Südseite des G-Turms Humboldthain mit Kran. Nur an dieser Seite waren keine Treppen von der unteren zur oberen Plattform angebracht.

 

Am 09.06.1941 besichtigte Architekt Tamms den Standort des Flakturms Humboldthain, unter anderen in Begleitung von Fritz Todt. Der L-Turm sollte an der Gustav-Meyer-Allee in einem kleinen Rosengarten entstehen, um den es, so Hentzen in einem Brief an Speer, nicht sonderlich schade sei.

 

Der Flakturm Humboldthain (G-Turm)

 

Der G-Turm lag nordwestlich vom L-Turm, man müsse nur zwei, drei Bäume fällen, die Sicht sei gut zwischen beiden Bauwerken. Als Grundstückspreise im Humboldthain wurden 14 RM pro qm angegeben. Das Grundstück wurde von der Wehrmacht im Dezember 1943 übernommen, als der Flakturm schon stand. Das Grundstück war 16.400 qm groß und sollte bis 3 Monate nach Kriegsende in Anspruch genommen werden. Der Flakturm wurde für etwa 90.000.000 RM von Oktober 1941 bis April 1942 gebaut. Hinsichtlich der eigentlichen Rohbauzeit gibt es unterschiedliche Angaben. Einige Aussagen sprechen von einer Bauzeit von 11 Monaten, andere führen 7 Monate an.
Die Sohle des fünfgeschossigen Baues war 2 m, nach anderen Angaben 2,50 m dick. Die Außenwände sollen 2 m, an einigen Stellen nur 1 m betragen haben. Der Beton wurde durch Spiralbewehrung armiert. Die Bauausführung lag bei der Organisation Todt (OT) unter Führung eines Herrn Zielke. Mindestens 800 Arbeitskräfte wurden für den Bau herangezogen. Französische Kriegsgefangene, Holländer, Italiener, Belgier und Jugoslawen, sie waren in einem Barackenbunker zwischen dem G-Turm und L-Turm untergebracht. Nachdem der G-Turm fertiggestellt worden war, wurden 10,5 cm Flakgeschütze auf die obere Plattform transportiert und installiert. Polizei und Luftwaffe hatten zuvor das Gebiet weiträumig abgesperrt, nach anderen Aussagen habe es lediglich einen ganz normalen Bauzaun gegeben. In der Nacht zum 17.01.1943 stand die Turm-Flak zum ersten Mal im Kampfeinsatz.
Die erste Waffenausstattung des Turmes von Januar-August 1943 bestand aus vier schweren 10,5 cm Flak, die von 12,8 cm Flak in Zwillingslafette ausgetauscht wurden. Auf der Galerie standen an den Eckpunkten 3,7 cm Flak, an den Seiten zusätzliche zwei 2 cm Vierlinge. Diese wurden 1944 von 3,7 cm Flak 43 ersetzt, bei denen wegen Funktionsstörungen zahlreiche Rohrkrepierer auftraten. 1945 wurden diese 3,7 cm Flak 43 abgebaut und durch Fla-Maschinenwaffen ersetzt. Die Turmflak auf dem Humboldthain-Bunker soll bis zum Ende des Krieges 32 Abschüsse erzielt haben. Bei einem Luftangriff wurden im Durchschnitt von der dort postierten 12,8 cm Flak 400 Granaten verschossen. Zuerst waren über den Geschützständen Tarnnetze angebracht worden, die aber wegen der häufigen Luftalarme bald wieder entfernt wurden. Der G-Turm selbst hatte außer den Ecktürmen nie einen Tarnanstrich erhalten.

 


Südseite des G-Turms Humboldthain. Die Bäume vor dem Flakturm sollten noch gefällt werden. Die 12,8 cm Flak in Zwillingslafette sind bereits postiert.

 

Bis 1944 waren um den G-Turm Humboldthain Scheinwerferbatterien auf hölzernen Türmen postiert. Zuerst waren es 4 leichte Scheinwerfer mit 60 cm Durchmesser (AEG, Wiesenstraße, Groterjahn und Danzigerstraße). Sie bewährten sich aber nicht, da ihre Reichweite nur etwa 2.400 m betrug, die Angriffe aber oft in 11.000 m Höhe geflogen wurden. 1944 wurden sie abgebaut.
Im Erdgeschoß gab es drei Eingänge (Nord-, Süd-und Ostseite), einer konnte sogar Lkws und Krankenwagen aufnehmen. Im 2. Stockwerk war das Lazarett sowie die Entbindungsstation von Frau Dienst untergebracht, wo während der Luftangriffe zahlreiche Babys geboren wurden. Im 3. Stockwerk war Museumsgut untergebracht. Im G-Turm waren zwei Lastenaufzüge mit einer Tragfähigkeit von 24 Personen. Für die Energieversorgung des L-und G-Turms waren ein Dieselmotor sowie zwei Notstromaggregate eingesetzt. Hinsichtlich der Belüftung weiß Herr Rose, seinerzeit Ausbildungsleiter an der 12,8 cm Flak in Berlin, ein interessantes Detail zu berichten.

 

"Die Bunker haben sich selbst belüftet, und zwar sind die Luftschlitze mit den dazugehörenden Kanälen so raffiniert gebaut worden, dass die Haupteinstrahlung von der Sonne die Luft auf der einen Seite erwärmte und diese in Wechselwirkung mit der kalten Luft auf der anderen Seite für eine ständige vorgewärmte Luftzirkulation im Bunker sorgte!



Im G-Turm war auch ein Gasraum eingerichtet worden, in dem Gasmasken überprüft wurden. Die Geschützbedienungen rekrutierten sich aus LH (Letzte Hoffnung) Luftwaffen-Helfern, die ersten 18 kamen am 15.02.1943 von der Kirschnerschule in Moabit. Am 07.06.1944 waren auch Luftwaffenhelfer aus dem Vogtland auf dem Turm, die bei zwei Tieffliegerangriffen Verluste hatten. Einheitsmäßig gehörten die Flakgeschütze zur Turmflakabteilung 123 mit Gefechtsstand im L-Turm Friedrichshain. Chef der schweren Batterie hieß Meyer. Die 1. Batterie, Schubert später Düppert, wurde von 31 Schülern des Französischen Gymnasiums NWS bemannt. Die 5. Batterie, die später mit der 6. Batterie zur 3. Batterie zusammengelegt wurden, bestand aus 49 Luftwaffenhelfern der Jahrgänge 1926/1927 aus der Friedrichwerdschen Schule. Der Schulunterricht im Flakturm ging übrigens bis zum 15.04.1945 weiter. Zu den Flak-Mannschaften gehörten auch 30 Ukrainer, die blaugelbe Armbinden trugen. Ferner waren im G-Turm russische Kriegsgefangene tätig, die auf ihren Uniformen die Buchstaben SU trugen. Sie wurden in den Werkstätten, in der Schreibstube sowie in der Kleider und Wäschekammer eingesetzt.
Im Juni 1944 kam es zu einem dramatischen Einsatz der leichten Turmflak, die zwei amerikanische Fernjäger unter Feuer nahmen, die sich hinter eine Fw-190 gesetzt hatten. Beide Jäger konnten abgeschossen werden, allerdings wurde auch ein nahe stehender Schornstein von den Luftwaffenhelfern zerschossen. Der G-Turm soll insgesamt 3 Bombentreffer erhalten haben, die aber keine weiteren Beschädigungen verursachten, noch nicht einmal Risse wurden beobachtet. Am 18.03.1945 erhielt der G-Turm 2 schwere Bombentreffer, zwei Geschütze fielen daraufhin aus. Von Brandbomben wurde der G-Turm häufiger getroffen, die aber mit Schaufeln einfach über die Brüstung geworfen wurden.
Für die Berliner Bevölkerung waren die Flaktürme Orte des sicheren Schutzes vor den Bomben der Alliierten. In dem Flakturm Humboldthain sollen sich 40.000 Menschen aufgehalten haben, die durch einen unterirdischen Verbindungsgang zum Bahnhof Gesundbrunnen gelangen konnten. Es gibt allerdings Aussagen, die die Existenz dieses Ganges in Frage stellen.
Der Bunker galt damals als unzerstörbar. Im Endkampf um Berlin setzten sich zahlreiche Soldaten in den Flakbunker ab. Dort hatte der Kommandeur des betreffenden Verteidigungssektors G, ein Oberst Schäfer, seinen Gefechtsstand. Die nachrückenden Kampftruppen des 12. sowjetischen Gardekorps blieben vor dem Flakturm liegen. Die Turmflak nahm die feindlichen Verbände unter Feuer, Stoßtrupps unternahmen aus dem Humboldthain heraus Ausfälle nach draußen. Die sowjetische Artillerie nahm systematisch den Flakturm unter Feuer, viele Luftwaffenhelfer fielen oder wurden verwundet. Gezielt wurde besonders auf die 6 cm starken Stahlblenden. Nach einer Weile wurden einige Panzertüren abgeschossen und die Granaten trafen in das Innere des Flakturms. Russische Scharfschützen nahmen aus benachbarten Häusern den Kampf gegen die Geschützbedienungen auf dem Turm auf. T-34 Panzer formierten sich zum Dauerbeschuß. Zivilisten brachten zwei russische Langrohrgeschütze in Stellung, die den Beton knacken sollten. Ohne Erfolg.
Bereits am 23.04.1945 war die Sprengung der 12,8 cm Flakgschütze vorbereitet worden, aber erst am 03.05.1945 wurden die Übergabeverhandlungen durchgeführt. Um 12:00 Uhr ergab sich die Beatzung des Flakturms Humboldthain.

 

Der Flakturm Humboldthain (L-Turm)

 

Der L-Turm hatte wie die übrigen Leittürme der 1. Generation die Grundfläche von 50 x 23 m. Im L-Turm fanden auch zivile Luftschutzsuchende Aufnahme.

 


L-Turm Humboldthain. Auf der obersten Plattform, links der "Würzburg-Riese", in der Mitte das FuMG "Mannheim" und rechts der E-Messer auf 10 m Basis R 43.

 

Die Übertragung der von den FuMG "Würzburg-Riese" Daten wurden per Telefon direkt dem G-Turm gemeldet. Die Schusswerte erreichten über das Fernleitungskabel zum Folgezeigeranzeigensystem 37. Die Informationsübermittlung lief durch einen 1,5 m x 1,5 m großen Kabelkanal, durch den auch Versorgungsleitungen führten.
Im L-Turm hielten sich auch Techniker der Firmen Telefunken und Görtz auf, die zur Verbesserung der Effizienz der Leitstelle abgestellt worden waren. Auf der oberen Plattform waren folgende FuMG installiert. Der 8 to schwere Würzburg-Riese mit einem 7,5 m Spiegel, das FuMG 64 "Ansbachgerät", für die Entstörung des Würzburg-Riesen die "Würzlaus" (eingesetzt ab August 1943 gegen die von den Briten abgeworfenen Staniolstreifen "Windows") sowie das Kommandogerät 40, das von 14 Flakhelfern bedient wurde. Der Würzburg-Riese konnte kurz vor Beginn eines Luftangriffs mittels einer Hebebühne in einen etwa 12 m tiefen Schacht versenkt werden, damit keine Beschädigungen auftraten. Die funkmesstechnischen Daten lieferte dann das Würzburg-Gerät. Weiterhin soll noch ein FuMG vom Typ "Mannheim" auf dem L-Turm installiert worden sein. Hinzu kam das Kommandogerät 40 mit einem E-Messgerät mit einer 10 m Basis. Bei guten Wetterbedingungen betrug die Sichtweite bis 35 km. Herr N. war dort in der "Umwertung" eingesetzt:

 

"Das war ein Eckraum mit zwei Fensteröffnungen. Da wurde mitgeführt, wenn wir ein bestimmtes Ziel aufgefaßt hatten und bekämpften. Auf einem kreisrunden Tisch wurde auf einem Blatt Papier mit einer technischen Einrichtung der Weg des zu bekämpfenden Flugzeuges eingetragen."

 

E-und Fernmeldespezialisten analysierten im 1. OG des L-Turms auch alliiertes Navigationsgerät. Aus abgeschossenen Feindflugzeugen wurden Apparaturen in den L-Turm gebracht, unter anderen Teile des legendären "Rotterdam-Geräts", die von Mitarbeiter der Firma Telefunken zusammengesetzt und weiterentwickelt wurden. Das Gerät wurde auch unter Kampfbedingungen auf dem L-Turm eingesetzt.

 

Der Flakturm Humboldthain - Nach 1945

 


Der Geschützturm Humboldthain nach der Sprengung am 13.03.1948. Während die Südfront völlig zusammengebrochen ist, ist von dem Explosionsdruck von 25 t Sprengstoff nur ein Teil der Wand der Nordfront nach außen gedrückt worden. Der obere Teil ist noch heute erhalten.

 

Nach der Kapitulation am 03.05.1945, 12:00 Uhr, als alle Männer des Flakturms zwischen 16 und 60 Jahre in Gefangenschaft gegangen waren, quartierten sich sowjetische Truppen in den Flakturm ein. Am 25.10.1947 wurde die erste Sprengung am Flakturm Humboldthain von der französischen Besatzung durchgeführt. Am 13.12.1947 sprengten sie den L-Turm mit 16 to Dynamit. Am 28.02.1948 wurde abermals versucht, den G-Turm zu sprengen, ein Teil der Außenwand wurde zerstört, der Flakturm stand aber weiterhin. Am 13.03.1948 wurde eine dritte Sprengung durchgeführt, diesmal mit 25 t Sprengstoff.

 


Die Südseite ist völlig eingestürzt. Auf der oberen Plattform ist gut die Befehlsstelle B II zu erkennen.



Der nördliche Teil des Flakturms mit beiden Ecktürmen bleibt erhalten, während der südliche Teil zusammenbrach. Nun wurde mit Schutt die Ruine überdeckt, 1950 waren 1.300 Notstandsarbeiter auf der "Baustelle Trümmerberg" eingesetzt, die auch Bepflanzungen vornahmen. Im gleichen Jahr nutzte der Deutsche Alpenverein die Nordseite des Flakturms als Übungs-Matterhorn. 1956 wurde erwogen, die über dem Schuttberg ragende Galerie abzureißen und die hohen Türme mit den Trümmern zu verfüllen. Noch 1986 wurde geplant, die Ruine abzureißen, es wurde aber beschlossen, auf dem verbliebenen Bereich des Flakturmes, der aus dem mittlerweile überwachsenen Schuttberg hervorragt, eine Gedenkstätte und Aussichtsplattform für 3.000.000 DM zu errichten. Die Arbeiten wurden am 28.10.1990 beendet.

 

Die Ruine des G-Turms Humboldthain ist heute zu besichtigen. Berliner Unterwelten e.V. bieten zahlreiche Führung.

Hamburg

Hamburg

 

In Hamburg entstanden zwei Flakturm-Paare von ursprünglich drei geplanten Einheiten. Auf dem Heiligengeistfeld und in Wilhelmsburg. Die Gefechtstürme waren in der Ausführung nicht identisch. Ein Flakturm-Paar im Hamburger Charme, der wie in Wien oder Berlin ein "Falkturm-Dreieck" geschaffen hätte, wurde nicht realisiert. Die Bauausführung hatte die Abteilung Rüstungsbau des Reichsministers für Bewaffnung und Munition. Architekten waren laut Pläne vom 18.04.1942 Vogdt und Hilliger.
Friedrich Tamms teilte dem GBI (Generalbauinspektor) am 07.02.1942 mit, dass Hitler den Bau eines vierten Flakturmes in Hamburg angeordnet habe, mit den Bauarbeiten würde in Kürze begonnen werden, die Vorbereitungen seinen eingeleitet worden. Der Flakturm IV sollte nach den von Tamms für die Berliner Flaktürme ausgearbeiteten Pläne entstehen. Nach den Bauplänen waren folgende Einrichtungen in den verschiedenen Geschossebenen vorgesehen. Im Erdgeschoss waren im Turm 4 die Heizungsanlage, im Turm 1 die Klima (Frischluft) Anlage, im Turm 2 das Wasserwerk und im Turm 3 die Abluftanlage vorgesehen. Im 1. OG war im Turm 1 eine Gasschutzanlage geplant, in den Türmen 2 und 3 waren im 1. und 2. OG als Lagerstätten für Kunstschätze vorgesehen. Im 2. OG des Turmes 4 befand sich das Krankenrevier. Im 3. OG waren die Küchenanlagen und der Speisesaal geplant sowie FluKo (Flugwachkommando) und WaKo (Warnkommando) untergebracht. Im 4. OG befanden sich dann die Unterkünfte der Flakmannschaften.

 

Der Flakturm Heiligengeistfeld

 


2 cm Vierlingsflak auf dem L-Turm Heiligengeistfeld in Hamburg.

 

Der Leitturm

 

Gefechts-und Leitturm wurden Ende April-Oktober 1942 gebaut. Nach anderen Quellen soll der Leitturm von etwa 1.000 Arbeitern in 350 Tagen errichtet worden sein. Der 5 stöckige L-Turm hatte die Ausmaße von 23 x 50 m und die Höhe wie sein größerer Bruder. Auf seiner oberen Plattform war das FuMG "Würzburg-Riese". 30.000 cbm Beton (ca. 76.000 t) waren dafür verbaut worden. Als Zuschlagsstoff wurde dänischer Kies verwandt. Kurz vor Kriegsende zog die Gestapo in den Leitturm, in der Feldstraße, mit Häftlingen ein. 1949 hatte der NWDR (Nordwestdeutsche Rundfunk) zwei Stockwerke des Leitturms bezogen. Der technische Direktor Werner Nestler konnte zahlreiche Spezialisten gewinnen und die Arbeit aufnehmen. Das Studio wurde ein 20 qm großer Raum in der höheren Etage. Am 12.07.1950 konnte aus dem Flakturm das erste TV-Testbild gesendet werden.
Im Jahre 1973 wurde der L-Turm an die Bundespost vom Bund für 1.300.000 DM verkauft, die den Bunker abreißen und ein neues Gebäude errichten ließ. 1973-1975 wurde der L-Turm an der Budapester Straße von Sprengmeister Hans Jürgen Marquardt mit Kleinstsprengungen (260 Sprengstoffpaketen a 20 kg) abgerissen. Marquardt hatte bereits in Berlin Erfahrungen gesammelt, als er dort den Flakturm "Zoo-Bunker" abgerissen hatte. Die Arbeiten in Hamburg waren schwierig, hatte der Beton nach 30 Jahren die höchste Festigkeit erreicht. Massive Sprengungen waren auch deshalb nicht möglich, weil sie sonst die unter dem Flakturm verlaufende Hauptstraße zerstört hätten. Ein 22 t schwerer Meißelbagger wurde auf das Dach gestellt. Zudem wurde ein 3 x 3 m großer Schacht gebrochen. Insgesamt wurden für die Abrissarbeiten 330 Tage benötigt. Heute steht an Stelle des L-Turms ein Telefonfernamt der Telekom.

 


Der mit Sperrballons geschützte G-Turm Heiligengeistfeld. Es sind bereits 12,8 cm Flak 40 in Zwillingslafette postiert worden, teilweise stehen noch Holzgerüste und Baracken. Die hellen Stellen markieren die zukünftigen Fenster sowie Scharniere für die Stahlblenden.

 

Der Gefechtsturm

 

Der G-Turm, offizielle Bezeichnung "Flakturm IV" Hamburg, hatte eine Grundfläche 70,5 m x 70,5 m und war etwa 39 m hoch. Er stand auf einer 2,60 m starken Plattengründung. Die Wände waren 2,50 m dick, die Abschlussdecke 3,50 m. 18.000 Menschen konnte der Flakturm bombensicheren Luftschutz gewähren, andere Angaben geben sogar 50-60.000 Luftschutzsuchende an. Er hatte 5 Obergeschosse und 2 Haupt-sowie 4 Nebeneingänge. Im 4. OG waren die Luftwaffenhelferinnen untergebracht sowie das Warnkommando (WaKo) und Flugwachkommando (FluKo). Darunter hatten das Hafenkrankenhaus und die Reichspost Räume bezogen. Zwischen Turm 1 und 4 befand sich die Küchenanlage. Im 5. OG waren die Luftwaffenhelfer und die Bedienungsmannschaften der Flakgeschütze Anton und Berta, Cäsar und Dora (1./414) zwischen Turm 1 und 2 untergebracht.

 


Der G-Turm und der L-Turm, vorn zusehen, einige Jahre nach dem Krieg.



Als Bewaffnung besaß der Flakturm vier 12,8 cm Flak in Zwillingslafette sowie fünfzehn 3,7 cm Flak auf der unteren Plattform. Sie gehörten zum Verband der 3. Flakdivision. Bei den Gomorrha-Angriffen verschoss die 12,8 cm Flak insgesamt 9.192 Schuss, 1944 über 3.000 Granaten. Zwischen dem 13.10.1942 und 31.03.1945 soll die 1./414 (T) an 50 Abschüssen beteiligt gewesen sein. Versuche des Direktors des Staatsarchivs, wertvolle Archivalien im Gefechtsturm unterzubringen scheiterten, obwohl ihm dafür für den 25.07.1943 ein Raum zugesagt worden war. Dieser Raum konnte nicht vom Staatsarchiv genutzt werden, da er von Obdachlosen belegt war. Die Räumlichkeiten für Kunstschätze waren allerdings in den Plänen bereits vorgesehen. Im 2. OG waren die Türme 2 und 3 dafür ausgewählt worden.

 

Vom Flakturm zum Medienbunker. Der Gefechtsturm auf dem Heiligengeistfeld.

 

 

Am 05.05.1945 übernahmen die Briten die Verwaltung des Flakturmes Heiligengeistfeld. Das Abwicklungsamt Wehrmacht beantragte am 13.03.1946 die Freigabe des Flakbunkers für die zivile Nutzung. Am 01.04.1946 übernahm der Oberfinanzpräsident die Verwaltung des Bunkers. Ab dem 20.08.1946 durfte der Flakturm für Wohnungen mit Fenstern versehen werden. Am 28.12.1948 wurden der Besatzungsmacht detaillierte Pläne für die Entfestigung des Flakturmes und den Ausbau der Wohnungen vorgelegt, die keinen Widerspruch erfahren.
1956 wurde das Hochhaus II zum Kreativbunker, als der später weltweit bekannte Modefotograf F.C.Gundlach dort seine Studio-und Arbeitsräume bezog. 1975 waren im G-Turm 15 Firmen registriert, insbesondere aus der Foto-und Werbebranche. 1986 nutzten schon 25 Firmen 13.000 qm im Flakturm.

 

Der Flakturm Wilhelmsburg/Arensbergpark

 


Die neue Flakturmgeneration mit den halbgeschützten, trichtermäßigen Betonüberdeckungen auf runden Türmen. Die Treppen zur oberen Plattform sind im Gegensatz zu den ersten vier Flaktürmen nicht außen freistehend, sondern unter Beton laufend konstruiert worden.

 

"Um Punkt 11 schoß als erstes Zeichen der Sprengung eine feurige, qualmvermengte Lohe mit ungeheurem Druck aus der östlichen Seitenluke des Bunkers. Gleich darauf erfolgt die Detonation, unheimlich ,dumpf und dunkel … Mit einem Schlag wurde der Riesen-Betonklotz von 65.000 Kubikmeter lebendig ..."
Die Hamburger Freie Presse schrieb am 18.10.1947

 

 

 


Als nach der Sprengung der Rauch verzogen war und der G-Turm Wilhelmsburg scheinbar fast unversehrt sichtbar wurde, sollen Zuschauer „Made in Germany! Made in Germany!“ skandiert haben. Die Briten wollten jedoch den Innenraum zerstören, was ihnen gelungen ist.

 


Sprengung des L-Turms am 10.10.1947.

 

"Mit dem Glockenschlag 11:00 Uhr erschütterte eine gewaltige Detonation den Stadtteil Wilhelmsburg. Eine dunkle Rauchwolke verhüllte für Minuten den Bunker. Der früher 44 m hohe und 38 m lange Koloß hatte seine Form gewaltig verändert. Die 3,50 m dicken Außenmauern haben den Druck der Explosion von 8.500 kg nicht standgehalten. Sie haben jedoch die Wirkung der Sprengung so beschränkt, dass selbst an den nahe liegenden Wohngebäuden keine nennenswerten Schäden eingetreten sind. Aus dem Bunker ist ein Trümmerhaufen geworden, der dem Aufräumungsamt großen Kummer bereiten und die Hamburger Trümemrmasse recht erheblich vermehrt haben dürfte."
Ein Augenzeugenbericht

 


Der alte Gefechtsturm Hamburg-Wilhelmsburg (Turm VI) wird zum "Energiebunker" umgebaut.

Bremen

Bremen - Neustadt



In Bremen trafen sich am 28.10.1942 im Dienstzimmer im "Haus des Reiches" des Reichsstatthalters in Oldenburg und Bremen, Senator Dr. Fischer der Leiter des LS-Bauamtes Baurat Assmann, der Kommandeur der 8. Flakdivision, Generalleutnant Wagner sowie der Bauingenieur vom Luftwaffenbauamt Bockmann zu einer Besichtigungsfahrt. Nach den schweren Luftangriffen auf Bremen sollte in der Freien Hansestadt ein Flakturm in den Grünanlagen zwischen der Neustadt-Contrescarpe, Leibnizstraße und Eichhofenstraße entstehen. Man schätzte das Bauwerk als nicht so groß ein, als dass es städtebaulicher Sonderplanungen notwendig machen würde.
Das Reichsministerium Speer, GB-Bau Referat Luftschutz und die OT hatten zugestimmt. Allerdings sollte der LS-Bunker-Bau in Bremen von diesem Vorhaben nicht beeinträchtigt werden, Arbeiter und Baustoffe sollten die durchführenden Instanzen selbst beschaffen. Es wurde beschlossen, Tiefbohrungen niederzubringen, um den wechselhaften Untergrund in diesem Gebiet der Stadt zu ergründen. Für den Anfang November 1942 sollte dann eine Inspektionsreise nach Hamburg unternommen werden, wo bereits zwei Flakturm-Paare existierten. Doch in Bremen blieb es bei der Planung, Flaktürme entstanden dort nicht.

Wien

Wien

Planung und Durchführung





Hitler selbst hatte im September 1942 den Bau von zwei Flakturm-Paaren in Wien angeordnet, da nach seiner Meinung eines der wichtigsten städtischen Zentren, das von Wien, geschützt werden sollte. Sie sollten noch nach 4.000 Jahren zukünftige Generation an den Kampf des Dritten Reiches erinnern. Nach Ansicht der Luftwaffe sollten sie auf der Schmelz, im Prater und in Floridsdorf entstehen, doch Hitler legte selbst die Standorte fest. Flakturm VIII war im Arenbergpark, baugleich mit dem Flakturm Wilhelmsburg/Arenbergpark, Flakturm V in der Stiftskaserne. Flakturm VII sollte nach Wunsch des Führers bei der Roßauer Kaserne errichtet werden, entstand aber im Augarten. So wurden insgesamt drei G-Türme mit den dazugehörigen L-Türmen gebaut.
Die Planung der Wiener Flaktürme wurde ebenfalls vom dem in Schwerin 1904 geborenen Professor Dipl. Ing. Friedrich Tamms erstellt, einem Städteplaner, der mit Reichsautobahnen und Brückenkonstruktionen auf sich aufmerksam machen konnte. Der Bau der Flaktürme wurde vom Ministerium für Rüstung in Berlin, Abteilung Rüstungsbau geleitet. Die ersten Pläne der Wiener Flaktürme verbrannten in Berlin nach einem Luftangriff. Dipl.Ing. Ruschitzka musste in Wien innerhalb von 2 Tagen neue Pläne anfertigen. Die Flaktürme wurden dabei in einem Dreieck postiert, so dass sich die Schussweiten der schweren Flak, die Prof. Tamms auf 20-22 km bezifferte, überlappten. Die Standorte selbst wurden von der Stadt Wien und vom LGK (Luftgaukommando) bestimmt. Die Standorte waren so gewählt, dass, so Tamms, die Innenstadt gegen Luftangriffe und auch gegen Tiefflieger, verteidigt werden konnte. Für Testreihen wurden in Unterlüß Erprobungsstände gebaut.
Alle L-Türme waren wie im Altreich rechteckig, allerdings in einer schmaleren Ausführung, dagegen waren die G-Türme Stiftskaserne und Augarten mit 16 Ecken fast rund. An jedem Turm waren bis zu 500 Fremdarbeiter eingesetzt, besonders Jugoslawen und Griechen, aber auch italienische Militärinternierte sowie einige wenige österreichische Fachleute. Hinzu kamen Baueinheiten des RAD (Reichsarbeitsdienst) und der Wehrmacht, aber auch jüdische Zwangsarbeiter. Das Baumaterial wurde mit angelegten Feldbahnen, teilweise sogar mit Straßenbahnen von der Donau und vom Aspangbahnhof zu den Baustellen gebracht. Gebaut wurden die Wiener Flaktürme auf durchweg mindestens 2 m dicken Betonplatten. Verwendet wurde eine sehr harte Betonsorte, die mit einer Spiralbewehrung verstärkt wurde. Die Außenwände maßen 2 m, die Abschlussdecken bis zu 3,5 m. Auf die Türme selbst kamen Kräne, zum Teil auf Schienen, die auf dem Dach verlegt worden waren, womit sie ihre Flexibilität erhielten und alle vier 12,8 cm Zwillingsgeschütze auswechseln konnten. Die Bauzeit dauerte ein 1/2 Jahr, als letzter Turm war der G-Turm Stiftskaserne Frühsommer 1944 einsatzbereit. Die Geschützbettung war denen des Flakturms Wilhelmsburg ähnlich. Die Bedienung der 12,8 cm Flak war durch den Umstand, dass die Geschütze in den Türmen von Stahlkuppeln geschützt waren, vor Splittern und leichten Bombentreffern auf dem Turm einigermaßen sicher.
 

 

 

Im oberen Drittel der G-Türme wurden untere Plattformen für leichte Fla-Waffen angebracht, die aber anscheinend dort nie installiert wurden. Jeder Bunker hatte einen Brunnen und ein eigenes Kraftwerk. Genutzt wurden sie als Lagerstätten für wertvolles Kulturgut, sie beherbergten militärische Dienststellen, 15.000 Luftschutzsuchende fanden dort jeweils Platz. In allen G-Türmen wurden Lazarette eingerichtet, manche mit über 800 Betten. Rüstungsbetriebe wurden ebenfalls in den Flaktürmen untergebracht, so Bereiche der Flugmotorenproduktion, elektrische Röhren-und Munitionsfertigung. Auf allen drei L-Türme wurden "Würzburg-Riesen" sowie ein kleines "Würzburg-Gerät" oder ein FuMG vom Typ "Mannheim" installiert. Ferner gab es jeweils ein Kommandogerät 40 auf 6 m-Basis. Auch die Flaktürme in Wien wurden in städteplanerische Überlegungen des Architekten Tamms einbezogen. So liegt der Flakturm Stiftskaserne genau in der Achse der Wiener Burg und die Türme Augarten passten sich in den ältesten Barockgarten Wiens ein. Da man wusste, dass nach dem Endsieg eine Entfernung der Betonmassen unmöglich sein würde, sollten die Flaktürme im Stil der mittelalterlichen Staufferburgen in Deutschland und Italien mit Rohziegeln und französischem Marmor verkleidet werden, der in den Brücken bei Lyon, Paris und Orleans bereit lag. Der Transport fand auf Grund der alliierten Landung in der Normandie nicht mehr statt.

Die Flakbunker in Wien sollten sich bewährt haben. Im 7. Wiener Bezirk, wo der Flakturm Stiftskaserne stand, habe es die geringsten Bombenschäden in Wien gegeben, gezählt wurden nur 107 Luftkriegstote. Gleichwohl räumte Architekt Tamms nach dem Krieg ein, dass die "Schießdome", nicht die erwarteten militärischen Hoffnungen erfüllten, die man ursprünglich in sie gesetzt hatte.

 

"Ohne die militärische Zweckmäßigkeit dieser Bauten völlig verneinen zu wollen, wurden sie von Anfang an und vor allem als Stimmungsarchitektur konziperit."
Meint Jan Tabor

 

Wie in Berlin griffen die Wiener Flaktürme auch bei den Endkämpfen der österreichischen Hauptstadt ein und beschossen russische Truppengruppierungen nahe den Einfallstraßen im Süden, Südosten und Westen der Stadt. Dort waren die Einheiten der 4. und 9.Garde-Armee sowie der 6.Garde-Panzerarmee versammelt. Die 2.Batterie auf dem G-Turm Stiftskaserne schoss bis Laxenburg, Hennersdorf, Perchtoldsdorf, Rodaun und Mauer Sperrfeuer. Durch den Luftdruck gingen die Fensterscheiben in der gesamten Umgebung zu Bruch und in der Kaserne lockerten sich die Fensterstöcke. Die 1.Batterie auf dem Flakturm Arenberg schoss am 04.04.1945 Sperrfeuer auf Erdziele im Süden Wiens. Die Luftwaffenhelfer dieser Batterie sowie die weiblichen Flakhelferinnen waren bereits entlassen worden. Vier Tage und vier Nächte wurde ununterbrochen geschossen.

 

"Sie ist ein Monument aller und für alle Zeiten. Infolgedessen ist sie im üblichen Sinne ohne Gebrauchswert. Sie ist nutzlos wie eine reine Plastik. Aber sie ist Träger einer Idee, eines elementaren gefühls für Kraft, Beständigkeit und Lebenswillen."
Der Konstrukteur verglich sie mit den ägyptischen Pyramiden.

 

Im Gegensatz zu Berlin, wo alle Flaktürme bis auf den Rest des G-Turms Humboldthain zerstört worden sind, sind in Wien alle Türme erhalten geblieben. Bereits 1946 dachte Prof. Dr. Karl Krupsky daran, die Betonbauten zu verschönern. 1951 überlegte sich Prof. Erwin Böck, die Türme, wie ursprünglich beabsichtigt, zu ummanteln und 1953 kam die Idee auf, aus den Flaktürmen Großgaragen zu bauen. Keines dieser Bauprojekte wurde bis heute ausgeführt. 1990 wurden die Flaktürme, Besitz der Republik Österreich, der Stadt Wien geschenkt.

 

Arenbergpark

 

Der Blick vom L-Turm zum Geschützturm Arenbergpark.

 

Im Arenbergpark entstand der G-und L-Turm im Sommer 1943 mit der 1.Batterie der Turmflakabteilung 184. Der Falkturm hatte einen quadratischen Grundriss von 57 m x 57 m und war baugleich mit dem G-Turm in Wilhelmsburg/Hamburg. Bestückt war der G-Turm mit vier 10,5 cm Flak, ab Januar 1944 mit vier 12,8 cm Flak, dann mit vier Flak des gleichen Kalibers in Zwillingslafetten.
Nachdem bei den Endkämpfen 1945 die letzte Granate verschossen war, wurden Geschütze und technische Einrichtungen im 8.Stockwerk gesprengt. Die Besatzung des Flakturms verließ am 08.04.1945 den Bunker. Munitionsmangel hatte es nicht gegeben, noch nach der Kapitulation lagerten große Bestände an Flakgranaten in den Bunkern.

 

Heute wird der G-Turm vom Museum für angewandte Kunst und als Lagerraum (Kunst-Depot) genutzt, der L-Turm steht leer.

 

Stiftskaserne

 

Auf dem Gelände der Stiftskaserne entstand von Mai bis September 1943 der G-Turm, auf dem die 2.Batterie der Turmflakabteilung 184 stationiert wurde.
Der L-Turm lag etwa 500 m entfernt im Esterhazypark. Der Flakturm hier war mit einer Höhe von 45 m über alles der niedrigste in Wien. Er war mit 16 Ecken fast rund und maß 43 m im Durchmesser. Bestückt war der G-Turm mit vier 12,8 cm Flak 44 in Zwillingslafetten. Die Geschütze wurden durch Stahlkuppeln vor Seitenbeschuss geschützt.

 



Nach 1945 von den amerikanischen Besatzungssoldaten genutzt, später als Atombunker reaktiviert, vermutlich einer von zwei Regierungsbunkern. Der G-Turm wurde heute vom Bundesheer genutzt, ein Zutritt ist aus Geheimhaltungsgründen nicht möglich.



Der L-Turm im Esterhazypark hatte ein Keller, ein Erd-und 12 Obergeschosse. Angeblich soll der Leitturm einen Bombentreffer auf der obersten Plattform erhalten haben. Ob auf der unteren Plattform leichte Flak stationiert war, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Auch zu diesem Punkt gibt es gegenteilige Aussagen.
 

Seit 1958 wird der L-Turm vom "Haus des Meeres" als Meeresmuseum genutzt.

 

Augarten

 

Im Augarten entstand der G-und L-Turm mit der 3.Batterie der Turmflakabteilung 184. Er war mit 50,6 m (nach anderen Angaben 54 m) der höchste der Wiener Flaktürme. Er war mit 16 Ecken fast rund und maß 43 m im Durchmesser. Die Außenwände waren 2,50 m stark. Etwa 10 m unter dem Plateau führt eine Plattform rundum in 5 m Breite mit weit ausgreifenden Erkern, sogenannte Schwalbennester. Bestückt war der G-Turm mit vier 12,8 cm Flak 44 in Zwillingslafetten.
Im G-Turm wurden Radioröhren produziert und der Bürgermeister und sein Stab fanden in dem Flakturm Unterkunft und Diensträume. Im Bereich zwischen dem G-und L-Turm waren in den Parkanlagen Baracken gebaut worden, so für die Flakhelfer und "Blitzmädchen". Bei den letzten Gefechten im April 1945 erhielt der L-Turm mindestens 3 Artillerietreffer der Sowjets, alle im oberen Drittel des Turmes, von denen einer die Außenwand durchschlug.

 

Der Gefechtsturm im Augarten.



Die Österreichische Zeitung meldete am 22.11.1946, das einen Tag zuvor Kinder im Flakturm Krieg gespielt hätten, eine Zündschnur angesteckt und zwei Waggonladungen Flakmunition zur Explosion gebracht hätten. Das Resultat war ein Riss an der Nordwand. Niemand sei verletzt oder getötet worden, die Kinder blieben bis heute unerkannt. Nach anderen Angaben hätten seit dem Zeitpunkt der Explosion einige Kinder im betreffenden Bezirk gefehlt und seien nicht mehr aufgetaucht.
Die Russen versuchten, den G-Turm zu sprengen, die Spuren sind noch heute deutlich sichtbar. Die Türme im Augarten wurden nach dem Kriege zugemauert.


 

Ende



Früher Bollwerke gegen eine neue Form des Bombardements gegen ganze Städte, heute Denkmäler dieser Epoche des Massenkrieges, Massensterbens und der Versuch, sich gegen das Unvermeidliche zu stemmen. Der Bau dieser Giganten aus Beton und Stahl waren die logische Konsequenz der Wehrmachtsführung aus der verlorenen Lufthoheit über Deutschland. Man versuchte die großen und wichtigen Städte zu schützen, ebenso der Bevölkerung einen Halt und moralische Stütze in einer Zeit des ständigen Luftalarmzustands zu geben. Dabei wurden Sie zu Fluchtpunkten für die Bevölkerung, für die Versehrten des Krieges und zu umkämpften Mittelpunkten der Festungsschlachten im untergehenden Deutschen Reich.



Heute ist man davon abgekommen Sie zu sprengen, viele haben es versucht, doch schienen diese Bollwerke sich nicht zu Staub der Geschichte machen zu lassen. Sie blieben störrisch und heute ist die Gefahr zu groß in urbaner Umgebung diese Kolosse zu sprengen. Darum werden die großen Betonblöcke heute auf andere Weise genutzt. Gerade in einer Zeit der Suche nach dem Besonderen in Verbindung mit dem Nützlichen, haben sich die Falktürme von einer neuen Seite gezeigt. So sind die enorm dicken Wände der Türme eine optimale Isolation. Im Winter kann die Wärme nur sehr langsam entweichen, wobei im Winter die Kühle sich lange in den Türmen hält. Der einzige Nachteil dabei sind die kleinen Fenster und das Änderungen in der Baustruktur nur schwer bzw. unmöglich durchzuführen sind. Eine Tür, ein Fenster oder gar ein Kabelschacht lassen sich aufgrund der Massivität bzw. des vielen Stahls wie Anteil an Zement nicht verwirklichen. So kann es schon mal zu einem wahren Kraftakt werden, ein Bild aufzuhängen bzw. den dazu benötigten Nagel in die Wand zu schlagen. Dennoch überwiegt das Besondere, die Einzigartigkeit und eine neue Form urbaner Wohnkultur. Auch historisch hat man die Gebäude, die sonst nirgends auf der Welt entstanden und zu finden sind zu einer neuen Bedeutsamkeit gekommen. Man nutzt die Gebäude als Museen an historischer Stelle bzw. stellt die Denkmäler des Krieges als Sehenswürdigkeit vor.
 

 

 

In Stadt Wien hat man das Monster aus Beton sogar gerade wegen seiner Sicherheit und der Festungsarchitektur wiederentdeckt. Hinter den meterdicken Stahlbetonmauern soll das sicherste Datencenter Österreichs entstehen, also ein Bunker für sensible Daten von Banken bzw. Firmen, die einen sicheren Platz für geheime Forschungsdaten suchen. Einige Stimmen sprechen dagegen, diese Denkmäler des Krieges wieder einem neuen zivilen Zweck zuzuführen. Ein Datencenter kommt nur deshalb in Frage, weil es keine großen Umbauarbeiten geben müsse, die dem Denkmalschutz widersprächen. Bei den Wohnungen ist es etwas anderes, wobei Umbauarbeiten allein wegen des Aufwandes wegfallen.

 

Ein Denkmal in Beton, das seinen militärischen Nutzen nie erfüllen konnte, aber vielen Menschen in den letzten Tagen des Krieges Schutz bot!

Quellen

DMP Empfehlung



Webseite

berliner-unterwelten.de
luftschutz-bunker.de




Quellen

Valentin E. Wille, Die Flaktürme in Wien, Berlin und Hamburg: Geschichte, Bedeutung und Neunutzung, Verlag: Vdm Verlag Dr. Müller (Mai 2008)
Henning Angerer, Flakbunker: Betonierte Geschichte, Verlag: Ergebnisse-Verlag (November 2000)

http://flakturm.net/vision
http://berliner-unterwelten.de/geschich ... .63.0.html
http://www.unter-hamburg.de/Flakturm-Wi ... 446.0.html



Autor: Thor