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Einleitung/Statistik

Die Tet-Offensive

 

 


 
Die Tet-Offensive
 
 
Datum
30. Januar–25. Februar 1968
Ort
Südvietnam
Ausgang
Sieg Südvietnams und seiner Alliierten
Propagandaerfolg Nordvietnams
Folgen
Rückzug der Alliierten Südvietnams bis 1973
Konfliktparteien
 
Nordvietnam
FNL (Viet Cong)
Armee von Nordvietnam
Südvietnam
Südvietnam
Vereinigte Staaten
Südkorea
Australien
Neuseeland
Befehlshaber
Võ Nguyên Giáp
William C. Westmoreland
Truppenstärke
USA und Verbündete
ca. 1.000.000
Nord Vietnam
ca.323.000 bis 595.000

 



Es begann an einem Tag, an dem keiner damit gerechnet hatte, am 30. Jänner 1968, dem Vorabend des vietnamesischen Neujahrsfestes, dem Tết Nguyên Đán (dtsch.: Fest des ersten Morgens). Gemeint ist die sogenannte Tet-Offensive, eine großangelegte Operation der nordvietnamesischen Armee (NVA) und dem Vietcong (VC).

Planung

Der Plan für die Tet-Offensive hatte seinen Ursprung in der Zermürbungstaktik (Search & Destroy – S&D) der US-Truppen (US-T). Diese beinhaltete, dass die nordvietnamesischen Truppen (NVA und VC) derart dezimiert werden sollten, dass es einfach unmöglich werden würde, den Krieg noch weiterzuführen. Diese Taktik war zunächst auch sehr erfolgreich – da die kommunistischen Truppen bereits derart dezimiert waren, dass die Niederlage bereits absehbar war, beschlossen der Regierungschef Hồ Chí Minh (1890 - 1969) und sein oberster Militär, General Võ Nguyên Giáp, dass ein Taktikwechsel erfolgen musste – und zwar schnell.
Daher wurde der Plan zu einer Offensive ausgearbeitet, die den Süden ein für alle Mal in die Knie zwingen sollte. Dieser Plan sollte später als eben jene Tet-Offensive in die Geschichtsbücher eingehen. Sie zielte allerdings nicht darauf ab, die SVA und die US-T in einer direkten Konfrontation militärisch zu besiegen, sondern hatte das Ziel, durch die vermeintliche Stärke des Nordens einen Volksaufstand in Südvietnam zu entfachen. Dabei war das Datum, an dem man sie beginnen wollte, ideal gewählt. Die Tet-Feiertage sind die Wichtigsten in Vietnam, daher befanden sich viele Soldaten der südvietnamesischen Armee (SVA) bereits auf Fronturlaub. Während dieses Festes, das natürlich auch im Norden gefeiert wird, rechnete niemand mit einem Angriff.
Überraschend ist jedoch die Sorglosigkeit der amerikanisch-südvietnamesischen Führung. Dem dortigem Führungsstab war die Möglichkeit einer Offensive nicht entgangen, dennoch hatte man nichts unternommen, um dieser schnellstmöglich entgegen wirken zu können.

 


Vorbereitung

Da die Offensive vor allem auf südvietnamesische Großstädte abzielte, wurde alles unternommen, um so viele dort stationierte Truppen wie nur möglich herauszulocken. Dazu wurden zuerst einmal, vor den Augen der Amerikaner, ca. 84.000 Mann und viele tausend Tonnen Kriegsmaterial in Richtung Süden geschickt, und entlang der ganzen Grenze verteilt.
Kurz darauf wurde der Angriff auf das Fort von Khe Sanh gestartet (einem Stützpunkt der Marines), der zwar nur indirekt mit Tet zusammenhing, jedoch den Effekt hatte, dass Truppen aus den Städten abgezogen wurden. Nun konnte man den Angriff starten.

Die Offensive

Die Offensive

 

Wie bereits erwähnt, wurde der Angriff am 30. Januar gestartet, und zwar mit einer groß angelegten Bombardierung der erwählten Ziele durch Raketen, Mörser und anderer Artillerie.

 

    Diese waren:

    - 36 der 444 Provinzhauptstädte
    - 5 autonome Städte
    - 72 Distrikthauptstädte
    - 23 Militärbasen.

 

Unmittelbar nach der Bombardierung griffen dann reguläre NVA-Einheiten (in Bataillons- bis Regimentsstärke) und Sturmtrupps des VC die Ziele an.
Die US-T und die SVA wurden dadurch völlig überrascht, da aus den höheren Kommandoposten keinerlei Warnungen vor möglichen Angriffen ausgegeben wurde. Besonders erwähnenswert ist hierbei der Angriff auf die südvietnamesische Hauptstadt Saigon selbst (ausgeführt durch 35 Bataillone). Hierbei drang eine Gruppe VC in die amerikanische Botschaft ein und lieferten sich vor laufenden Kameras ein Gefecht mit den dort stationierten US-Militärpolizisten.
Die Angreifer wurden zwar allesamt getötet, jedoch wurde der Glaube an die eigene Unbesiegbarkeit auf Seiten der Amerikaner (besonders der Zivilisten) durch diese Fernsehbilder stark erschüttert.

Auch konnte die NVA große Teile der Stadt, wenn auch nur kurzzeitig, besetzen. Darunter war auch die nationale Rundfunkstation, aus der die auf Entsatz wartenden VC revolutionäre Botschaften senden wollten. Es gelang aber einigen Technikern die Kabel zwischen Gebäude und Sendeanlage zu kappen - die Besetzer wurden kurz darauf alle getötet.

 

 

    Wichtige Gebäude, die angegriffen wurden, waren unter anderem:

    - Hauptquartier der SVA
    - Präsidentenpalast
    - Hauptquartiere der amerikanischen und südvietnamesischen Marinen
    - koreanische und philippinische Botschaft.

 

Doch Saigon war nicht der einzige Brennpunkt. Vom Mekong-Delta (im Südwesten des Landes) bis zu den nördlichsten US-Militärbasen vor der demilitarisierten Zone (DMZ) (Quang Tri und Lang Vei) hatten die SVA und die US-T harte Kämpfe auszufechten, um zu verhindern, dass die NVA und der VC zu weit vordrangen.
Nach einigen Tagen schwerer und verlustreicher Kämpfe gewannen jedoch die SVA und die US-T langsam wieder die Überhand, da sie den Truppen des Nordens auch zahlenmäßig stark überlegen waren (der Überraschungseffekt war inzwischen natürlich vergangen).
Zudem war auch nicht nur ansatzweise etwas von dem Volksaufstand zu erkennen, auf den man im Norden bangend wartete – somit war Tet militärisch gesehen für die Kommunisten ein totaler Misserfolg.
Auch kämpften die SVA-Soldaten mit sehr hoher Motivation, resultierend daraus, dass sie einerseits einen starken Drang hatten, die ihnen verhassten Kommunisten zurück zuschlagen, sie andererseits aber auch dadurch angespornt wurden, dass in den von der NVA und dem VC besetzten Gebieten viele Grausamkeiten verübt worden waren.

 

 

 

Militärisch war die die Tet-Offensive für den Norden also ein totaler Misserfolg, doch half sie trotzdem, den Krieg zu gewinnen. Vor allem durch die Bilder, die aus Vietnam in die Vereinigten Staaten kamen, fing die Zivilbevölkerung erstmals an, gegen den Vietnamkrieg zu protestieren, was schlussendlich mit dem Rückzug aller US-Soldaten aus Südvietnam endete. Denn ohne die Hilfe der USA war die SVA der Armeen des Nordens praktisch schutzlos ausgeliefert. Nur so konnte schließlich der Norden ganz Vietnam unter kommunistischer Herrschaft, die bis heute anhält, vereinen.
Eine Schlacht während Tet ist jedoch mit so großer Härte und Grausamkeit auf beiden Seiten geführt worden, dass sie ein eigenes Kapitel verdient. Nämlich...

 

 

Hue

Die Schlacht um Huế

Huế, die alte Kaiserstadt am Parfümfluss, war während des Vietnamkrieges eine strategisch wichtige Nachschubbasis, die am Highway One liegt. Da sie nur ca. 50 Meilen von der DMZ lag, wurde sie von den verteidigenden Kräften zu einer Verteidigungsfestung ausgebaut, um möglichen kommunistischen Offensiven entgegenzuwirken.
Dies konnte aber trotzdem nicht verhindern, dass am 31. Januar 1968 ca. 8000 NVA-Soldaten und VC die Stadt übernahmen (sie war allerdings vorher schwer mit Artilleriefeuer belegt worden). Dies lag vor allem daran, dass die Stadt mit anfänglich nur 3 US-Marine-Bataillonen viel zu schwach besetzt war.
So wurde Huế die einzige Stadt, die während Tet komplett von den Kommunisten besetzt werden konnte.

Es entbrannten nun heftige Kämpfe um die einzelnen Gebiete der Stadt, vor allem aber um die Zitadelle und den MACV-Komplex (MACV = Military Assistance Command Vietnam). Diese möchte ich jedoch nicht im Detail schildern, da dies eigentlich schon wieder ein Beitrag für sich ist. Fakt ist, dass die US-Kommandeure erkennen mussten, dass sie die Truppen seit dem 2. Weltkrieg viel zu wenig im Häuserkampf hatten schulen lassen. Dies lässt sich besonders gut an einem Beispiel demonstrieren. In der Neustadt kämpften 2 Bataillone Marines gegen die NVA und den VC. Nach sechs Tagen heftiger und verlustreicher Kämpfe waren diese jedoch erst ganze 4 Häuserblocks weiter gekommen.
Da trotz dem Eintreffen von Verstärkung immer noch kein einschlägiger Sieg zu verbuchen war, beschloss man auf amerikanischer Seite einen Strategiewechsel.
Bisher hatte man Huế wegen seiner zahlreichen bedeutenden Bauwerke eine Bombardierung
erspart, doch dieser Plan wurde nun aufgegeben. Man eröffnete aus schwerer- und aus Schiffsartillerie das Feuer auf die Stadt (insgesamt wurden ca. 52.000 Artilleriegeschosse und 7670 Schüsse aus Schiffsgeschützen abgefeuert). Dies hatte eine verheerende Wirkung, denn ganze Blocks wurden zerstört und viele Zivilisten getötet.
Das Ziel konnte jedoch erreicht werden, denn am 10. Februar war die gesamte Neustadt feindfrei und zurückerobert. Nun stießen die US-T und die SVA nach und am 24. Februar wurde auch der Kaiserpalast zurückerobert. Am 2. März war schließlich wieder die gesamte Stadt unter der Kontrolle Südvietnams.

Insgesamt wurden bei den Kämpfen in Huế auf amerikanischer Seite 119, auf südvietnamesischer 363 und auf kommunistischer Seite 8.000 Soldaten getötet. Zudem kamen während der Kämpfe auch ca. 6000 Zivilisten um, eine erschreckend hohe Zahl.

 

 

Nachbetrachtung

Fazit

 

Militärisch gesehen war die Tet-Offensive für den Norden ein katastrophaler Fehlschlag. Es wurden nämlich nicht nur ca. 54.000 reguläre Soldaten getötet, sondern auch der VC als politische und militärische Größe nahezu ausgelöscht. Auch wurde durch den nicht erfolgten Volksaufstand der im Norden weit verbreitete Glaube, dass man im Süden nur darauf warte, den Kommunismus anzunehmen, gestürzt.

 



Für die USA hingegen war die Offensive zwar ein eindeutiger Sieg, doch war dieser, im Vergleich zu den negativen Pressemeldungen, die die Antikriegshaltung im Heimatland bestärkte, nichts mehr wert. Diese führten, trotz der prekären militärischen Lage im Norden, dazu, dass die USA Schritt für Schritt ihre Truppenkörper aus Vietnam abzogen („Vietnamisierung“ des Krieges), was schlussendlich dazu führte, dass die Kommunisten ganz Vietnam vereinen konnten.

Somit ist die Republik Vietnam einer der letzten kommunistischen Staaten der Welt.

 

 

 

Quellen

Buch: Schlachten, Die größten Gefechte der Weltgeschichte, Parragon Verlag, ISBN: 978-1-4075-0572-5

Letzter Zugriff am 28.10.2010

Wikipedia Deutsch - Die Tet-Offensive
Wikipedia Deutsch - Die Schlacht um Hue
lebensgeschichten.org - Die Tet-Offensive
u-s-history.com - Tet Offensive



Autor: talesofvalor